IMSI-Catcher: Das Phantom der Polizei

30. Jänner 2008, 17:51
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Neues Ortungsgerät soll 600.000 Euro kosten

Dass es ein Gerät gibt, mit dem man ohne Wissen des Betroffenen und ohne Hilfe der Netzbetreiber feststellen kann, wo sich ein Handy befindet und was gesprochen wird, bestreitet niemand. Auch dass so ein Gerät "IMSI Catcher" heißt, weil die "International Mobile Subscriber Identity" abgefangen wird, ist kein Geheimnis. Ein Bild davon kann man sich aber kaum machen.

Drei

Im Innenministerium gibt man zwar zu, dass man drei dieser Geräte besitzt; 600.000 Euro sind nun für ein neues Modell veranschlagt. Auch dass sie in Autos verbaut sind, die im Raum Wien stationiert sind, erfährt man. Ebenso, dass sie schon im Einsatz waren, bevor sie durchs neue Sicherheitspolizeigesetz vom Dezember eindeutig erlaubt wurden. Nur ein Foto will man nicht hergeben.

Im Verteidigungsministerium, wo das vierte Gerät steht, gibt man sich ebenso zugeknöpft wie beim Unternehmen Rohde & Schwarz, über das die Republik die IMSI Catcher bezogen hat. Die deutsche Gesetzeslage verbiete es ihr zu sagen, ob so ein Gerät überhaupt existiert, bedauert die freundliche Pressesprecherin.

Bergwanderer

Den Einsatz verteidigen Regierungsvertreter etwa mit dem Argument, "verletzte Bergwanderer" leichter orten können. Allzu rasch dürfe der Verletzte aber nicht ärztliche Hilfe benötigen, bekennt man im Innenressort hinter vorgehaltener Hand. Das Gerät müsste in die nähere Umgebung des Gesuchten gebracht werden, doch die IMSI-Autos stehen alle im flachen Ostösterreich.

Ortung ist nicht die führende Funktion eines IMSI Catchers. Hauptzweck ist die Ermittlung der IMSI, um mit dieser später einen richterlichen Abhörantrag genehmigt zu bekommen. Der "Fänger" funktioniert recht einfach: Er schaltet sich zwischen Handy und die gemeinhin als "Handymast" bekannte Basisstation, sodass tatsächlich auch Gespräche belauscht werden können, ohne dass Netzanbieter und Kunde etwas merken. Was in Österreich aber nicht gemacht werde, wie das Innenministerium betont. ( Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 31. Jänner 2008)

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