Mit Kompetenz gegen Krebs

29. Jänner 2008, 19:12
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Das Innsbrucker K1-Zentrum Oncotyrol soll die Lücke zwischen Forschung und Pharma schließen

"Lukasladen" steht an der Labortür. Dahinter beginnt das Reich von Lukas Huber. Der Innsbrucker Zellbiologe ist das Aushängeschild des Sonderforschungsbereichs 021. Seit 2003 sind Huber und seine Mitstreiter auf der Spur jener molekularen Mechanismen, die entscheiden, ob entartete Zellen zu Tumoren auswachsen oder absterben. Voriges Jahr ist der Sonderforschungsbereich vom FWF hervorragend evaluiert worden. Es war mehr als eine Bestätigung. Es war auch ein Signal, dass die Zeit reif für den nächsten Schritt war, nämlich die geleistete Grundlagenforschung in Anwendungen zu übersetzen. Dazu mussten die Biologen mit den Innsbrucker Medizinern und mit interessierten Pharmafirmen zusammenkommen.

Matchmaker spielte dabei Gor- don Koell. Der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Medizin Tirol (Cemit) arbeitete schon länger auf einen Zusammenschluss der Krebsforschung zu. Die Kluft zwischen Laborwissenschaftern und Klinikern war rasch überwunden. Schwieriger war die Industrieseite. Forschende Pharmaunternehmen gibt es in Innsbruck selbst praktisch nicht, doch rasch meldeten Novartis, Roche und Schering-Plough ihr Interesse an, und mittlerweile sind dreißig Fir-men im Boot. Auch Forschungspartner wie die New Yorker Rockefel- ler-Universität oder das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg können sich sehen lassen. Die positive Beurteilung des Antrags auf eine K2-Finanzierung im Rahmen des Comet-Programms war denn auch keine Überraschung - im Gegensatz zum Beschluss, Oncotyrol nur die niedrigere K1-Dotierung zuzugestehen.

Firmenpartner sprachen von Ausstieg. "Wir drohten um fünf Jahre zurückgeworfen zu werden", sagt Koell. Aus seiner Sicht lag es nicht an der Qualität des Vorhabens, sondern am ungleich stärkeren politischen Druck, den die Mitbewerber aus Linz und Graz entfaltet haben. Dabei ist Oncotyrol laut Koell das einzige Netzwerk aus dem Hightechbereich, auf den K2-Förderungen seinem Verständnis nach abzielen.

Nachverhandelt

Also wurde nachverhandelt. Das Land Tirol hat seinen Anteil erhöht. Für die ersten vier Jahre stehen nun 28 Millionen Euro zur Verfügung. Und die das Comet-Programm verwaltende Forschungsförderungsgesellschaft FFG hat in Aussicht gestellt, Oncotyrol danach auf K2 heraufzustufen, vorausgesetzt, bis dahin sind wirtschaftliche Erfolge abzusehen. Damit könne man leben, betonen Koell, Huber und Günther Gastl, der für die klinische Seite spricht.

Oncotyrol konzentriert sich auf Brustkrebs, Prostatakrebs und chronische Leukämie. Die Patienten reagieren je nach Stadium der Erkrankung aber auch nach ihrer genetischen Anfälligkeit verschieden. Bei Krebs kommt es darum besonders auf den persönlichen Zuschnitt der Behandlung an, erklärt Gastl, der an der Innsbrucker Uniklinik die Hämatologie leitet. Mit der bereits vor 17 Jahren angelegten Gewebesammlung, aber auch der kontinuierlich fortentwickelten medizinischen Datenverarbeitung sieht er sein Spital besonders gut vorbereitet.

Viele der Oncotyrolprojekte werden in einem ehemaligen Schwesternheim am Innufer unterkommen. Martin Thurnher, der seit langem gezielte Immuntherapien für Krebspatienten entwickelt, ist mit seinem Team vorigen Sommer eingezogen. Noch hat er eine Drogenambulanz und ein Büro der Krebshilfe als Nachbarn, aber nun kommen weitere Labore dazu und Kollegen, von denen sich Thurnher einen fruchtbaren Ideenaustausch erwartet.

Ein paar Straßen weiter versucht Lukas Huber, den Optimismus zu bremsen. "Wir haben in Innsbruck jetzt eine gute Chance, auf die Landkarte zu kommen." Auf dem Tisch vor ihm liegt ein Bündel Bauzeichnungen. Einmal die Woche hat er derzeit Jour fixe mit Architekten. Sie sprechen über den Life-Science-Bau der Uni, der 2010 eröffnet werden soll. (stlö/DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2008)

  • Eine Krebszelle, durch das Mikroskop betrachtet, wie sie sich am gesunden Gewebe festsetzt.
    foto: kristian pfaller / med-uni innsbruck

    Eine Krebszelle, durch das Mikroskop betrachtet, wie sie sich am gesunden Gewebe festsetzt.

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