Zigarettenrauch einfach absaugen

29. Jänner 2008, 10:06
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Ein Innenarchitekt will eine Alternative zum Rauchverbot in Lokalen gefunden haben: Ein neuartiges Lüftungs­system saugt den blauen Dunst dort ab, wo er entsteht

Salzburg – "Ich bin nicht jemand, der nur etwas verkaufen will. Mir geht es um die Lösung. Ich habe zur Gesundheitsministerin gesagt, ich gebe mein Patent frei und will nichts dafür haben, wenn Firmen das produzieren." Der Salzburger Innenarchitekt Manfred Katzlinger ist von seinem Produkt sichtlich überzeugt. Es trägt den Namen "Aeroluce2 und ist ein neuartiges Luftabzugssystem für Gaststätten. Die Besonderheit: Die verbrauchte Luft wird genau dort abgesaugt, wo der Zigarettenrauch entsteht – durch die Lampenschirme über den Tischen und der Bar.

Einfaches Prinzip

Beim derStandard.at-Besuch in einem Café im Salzburger Stadtteil Schallmoos demonstriert Katzlinger das einfache Prinzip: Die gesamte Zuluft für das Lokal wird im Keller aus dem Hinterhof angesaugt – bis zu 2.000 Kubikmeter in der Stunde. Dann strömt sie durch den Rest der Räume in die Raucherzone. "Der Nichtraucherbereich wird so komplett mit Frischluft versorgt. Der Raucherbereich ist am Ende des Luftkeils und die Luft kann von dort nicht mehr zurück", erklärt Katzlinger.

Grenzwerte eingehalten
Die gesamte Abluft des Lokals werde durch die Lampenschirme über den Rauchertischen und der Bar abgesaugt – darunter auch der Zigarettenrauch: "75 bis 80 Prozent gleich, der Rest steigt vorerst an die Decke, fällt aber immer wieder herunter und geht in die Lampen." Ergebnis: Die Kohlenmonoxid-Konzentration im Raucherbereich wird allen arbeitsmedizinischen Grenzwerten gerecht – sogar denen für Büroarbeitsplätze.

"Wirksame Lösung"

Das bestätigt ein Messbericht des Unfallverhütungsdiensts der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) vom 30. Oktober. Darin heißt es, "dass die installierte Absaugung von Luft aus Raucherbereichen eine wirksame Lösung zur Entfernung des Großteils der durch Zigarettenrauch freigesetzten Schadstoffe darstellt." Das Luftabzugssystem sei mindestens gleich effektiv wie eine Wand zwischen Rauchern und Nichtrauchern.

AUVA bestätigt

Das Resümee: "Eine Überschreitung des Arbeitsplatzgrenzwertes der Leitkomponente Kohlenstoffmonoxid ist in jedem Fall sicher auszuschließen. Weitere Maßnahmen erscheinen hier im Augenblick nicht zweckmäßig." Helmut Derler von der AUVA bestätigte gegenüber derStandard.at den Bericht. Auch Café-Pächter Robert Payer-Frank ist von seiner neuen Anlage begeistert und bläst genüsslich den Rauch seiner Zigarette in den Lampenschirm.

Zum Patent angemeldet

Katzlinger ist selbst erstaunt, dass vor ihm noch nie jemand darauf gekommen ist, die Abluft zentral über den Rauchertischen abzusaugen: "Da hat sich offenbar noch nie wer Gedanken drüber gemacht." Er sei auf die Idee gekommen, als er vor einem halben Jahr in einem Lokal beobachtete, wie sich der Zigarettenrauch in den Lampenschirmen über den Tischen sammelte. Kurz darauf meldete er seine Erfindung auch schon zum Patent und als Gebrauchsmuster an.

Farbe und Form beliebig

Die Lampen können in der Farbe und Form beliebig variiert werden. Es gebe lediglich eine Bedingung, sagt Katzlinger: "dass sie durchgehend bis an die Decke reichen müssen. Wie sie aussehen, aus welchem Material sie sind, ist völlig belanglos. Man braucht einen gewissen Querschnitt, das ist alles." Mindestgröße erforderlich

Das "Aeroluce"-System könne aber nicht in jedem Lokal installiert werden: "Wenn es zu verwinkelt ist, geht es nicht mehr. Idealerweise ist der Grundriss rechteckig. Ich würde sagen, in 75 Prozent aller Lokale wird es funktionieren." Außerdem müsse die Gaststätte eine gewisse Mindestgröße haben, um einen rauchfreien Nichtraucherbereich garantieren zu können.

Teure Lampen

Für das Rauchabzugssystem müssen Gastronomen einigermaßen tief in die Tasche greifen: Eine der Speziallampen kostet je nach Ausführung zwischen 200 und 600 Euro. Zu haben sind sie zur Zeit nur bei der Firma "2f Leuchten", an die Katzlinger Ende Oktober seine Lizenz erteilt hat.

Nachrüsten möglich

Hat ein Lokal bereits eine "ordentliche" Lüftung, könne man mit einer Investition von 4.000 bis 5.000 Euro auf das neue System umrüsten, sagt Katzlinger. Errichte man eine gänzlich neue Lüftung, komme "Aeroluce" mit etwa 17.000 Euro für eine Gaststätte mit 120 Quadratmetern sogar billiger als herkömmliche "Verwirbelungslüftungen", sagt "2f"-Verkaufsleiter Manfred Peckal.

Wirte warten ab

Das Café in Salzburg-Schallmoos sei bisher das einzige, das mit dem neuen System ausgestattet sei, berichtet Peckal. Allerdings werde ein weiteres Lokal gerade ausgerüstet, fünf bis sechs seien in der Planungsphase. Ein großes Problem, sagen Katzlinger und Peckal unisono, seien die derzeitigen Diskussionen um ein mögliches generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Die meisten Wirte würden da natürlich abwarten, bevor sie eine solche Investition tätigen.

Technik statt Rauchverbot?

Nicht nur deshalb hat Manfred Katzlinger die Rauchverbotsdebatte satt. Er sehe nicht ein, warum man ein generelles Rauchverbot brauche, wenn es technische Lösungen gebe, die Mitarbeiter und die Nichtraucher unter den Gästen zu schützen. Es könne im 21. Jahrhundert einfach nicht sein, "dass wir zum Mond fliegen, es aber nicht schaffen, ein paar Partikel aus der Raumluft hinauszubekommen". (Markus Peherstorfer; derStandard.at, 28.1.2008)

  • Das Innenleben der Rauchabzugs-Lampe. Die roten LED-Leuchten dienen nur der Dekoration.
    foto: derstandard.at/peherstorfer

    Das Innenleben der Rauchabzugs-Lampe. Die roten LED-Leuchten dienen nur der Dekoration.

  • Dieses Café in Salzburg-Schallmoos ist bisher das einzige Lokal mit dem neuen Rauchabzugs-System.
    foto: derstandard.at/peherstorfer

    Dieses Café in Salzburg-Schallmoos ist bisher das einzige Lokal mit dem neuen Rauchabzugs-System.

  • Die "Aeroluce"-Lampen saugen Zigarettenrauch direkt über den Tischen ab.
    derstandard.at/peherstorfer

    Die "Aeroluce"-Lampen saugen Zigarettenrauch direkt über den Tischen ab.

  • Café-Pächter Robert Payer-Frank als Testraucher.
    derstandard.at/peherstorfer

    Café-Pächter Robert Payer-Frank als Testraucher.

  • Erfinder Manfred Katzlinger gibt sich großzügig: "Ich gebe mein Patent frei, wenn Firmen das produzieren."
    foto: derstandard.at/peherstorfer

    Erfinder Manfred Katzlinger gibt sich großzügig: "Ich gebe mein Patent frei, wenn Firmen das produzieren."

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