Musen und Malheurs im Kunstbetrieb

27. Jänner 2008, 18:41
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Etiketten können lügen

Wien - Zunächst: Akte - Im Schweigen vermählt lädt nicht zur Kriminacht! Nach Buch und Regie des österreichischen Regisseurs Peter Patzak (Kottan ermittelt) wurde das Theaterstück im Stadttheater Walfischgasse uraufgeführt und gestaltete sich als hochkonzentrierte und großartig gespielte Bühnenarbeit zu den Lebenshintergründen jener Frauen, die einst Künstler zu Großtaten inspiriert hatten. Und Etiketten lügen eben auch, weil deren berühmte Porträtisten ihre Schönheit einzufangen versprachen und dabei doch hauptsächlich das Leben der Musen stahlen. Also: Schiele, Bonnard, Picasso, Warhol sind wenig mehr als unwirsche Scheusale. Als Mementos werden ihre Meisterwerke auf den Hintergrund projiziert. Der Vordergrund gehört neun verunglimpften Modellen.

Patzak hat für dieses Terrain eine abstrakte Landschaft aus Multifunktionsquadern bauen lassen. In diese fragile, kühle Bausubstanz setzt er mit Eva Herzig, Gerti Drassl und Maddalena Hirschal drei simultan arbeitende Charakterstatthalterinnen. Wally ist beinahe an Schiele zerbröselt und möchte wieder auf die Beine kommen. Marthe bleibt nach intensiven Kontakten zu französischen Impressionisten verschollen. Und Ida Hammershoi zerschellt an ihrem Vilhelm. Drei Beispiele.

Die Schauspielerinnen lassen zwischen Info, Selbstgespräch und Dialog ganze Universen entstehen. Als wäre es selbstverständlich, schafft ihre Präsenz eine Stimmung zwischen Intimität und Schizophrenie. (Georg Petermichl, DER STANDARD/Printausgabe, 28.01.2008)

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