Kinderkrankheiten bei neuer Notfall-Leitstelle in Tirol

27. Jänner 2008, 18:59
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Verlust von lokalem Rettungswissen befürchtet

Innsbruck – "Man soll uns in Ruhe unsere Aufbauarbeit machen lassen", wünscht sich Gernot Vergeiner, der Geschäftsführer der Integrierten Landesleitstelle (ILL) und reagiert damit auf Kritik am Prestigeprojekt des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck.

Im Endausbau soll die ILL alle Notfall- und Rettungsmaßnahmen mit Ausnahme der polizeilichen Dienste koordinieren. Notarzthubschrauber, Bergrettung und die Tunnelüberwachung auf Landesstraßen sind bereits landesweit integriert. Bei Rettung und Feuerwehr sind erst die Bezirke Innsbruck, Innsbruck-Land und Kufstein dabei. Während die Feuerwehren bis Juni 2008 tirolweit über die ILL laufen sollen, wird es bei den bezirksweise unterschiedlich organisierten Rettungsorganisationen noch ein bis zwei Jahre dauern, sagt Vergeiner.

Einsatzkräfte schneller ans Ziel bringen

Seit Oktober 2007 arbeiten die 42 Mitarbeiter im 7,5 Millionen Euro teueren Neubau neben der Innsbrucker Berufsfeuerwehr, in den 2,5 Millionen für die Technik investiert worden sind. Das operative Budget für 2008 beträgt drei Millionen Euro. Kern des Systems ist es, durch die Zentralisierung, digitale Systeme und GPS-Technologie die benötigten Einsatzkräfte schneller an ihr Ziel zu bringen. Dazu zählt, dass die Mitarbeiter der ILL jederzeit wissen, wo sich alle verfügbaren Einsatzfahrzeuge befinden. Damit, so Vergeiner, kann etwa ein Rettungsauto, das gerade leer in der Nähe eines Unfallortes unterwegs ist, rasch umdirigiert werden.

"Überteuertes Call-Center"

In der Praxis spießt es sich, da nur die Fahrzeuge der bisher beteiligten drei Bezirke auf den Bildschirmen der ILL auftauchen. SPÖ-Landtagsabgeordneter Klaus Gasteiger sieht in der ILL überhaupt "ein überteuertes Call-Center" und befürchtet bei der Auflassung der Bezirksleitstellen der Rettung den folgenreichen Verlust von lokalem Know-how. "Die lokale Bindung ist dann nicht mehr da", gibt auch Thomas Wegmayr, Landesgeschäftsführer des Roten Kreuzes, zu bedenken. An der ILL führe aber kein Weg vorbei. Auf einer eigenen Leitstelle für das abgelegene Osttirol will das Rote Kreuz aber beharren, sagt Wegmayr. (hs/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27. Jänner 2008)

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