Lieben Sie "klassik"?

24. Jänner 2008, 10:13
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Zweigelt classic von Philipp Grassl ist typisch für Klassik-Rotweine

"Klassik" auf Rotweinen in welcher Schreibweise auch immer, so hat man das als österreichischer Weintrinker gelernt, steht für Ausbauweise im Stahltank oder eventuell auch in großen und/oder auch gebrauchten Holzfässern. Das drückt sich geschmacklich in fruchtgetragenen Weinen ohne auffallende Holz- und Tanninaromatik aus, spiegelt im Idealfall sehr schön den Rebsortencharakter wieder und lässt sich leicht und angenehm trinken. Sie sind meist die ersten der neuen Rotweinjahrgänge, die auf den Markt kommen und werden ganz gerne mit dem Begriff "guter Speisenbegleiter" charakterisiert.

Technisch gesehen werden in Klassik-Rotweinen oft jüngere Anlagen verarbeitet, die naturgemäß noch nicht die Power und Ertragsbalance älterer, "gesettelter" Rebstöcke haben können, oder Trauben aus Weingärten, wo man bei richtiger Weingartenarbeit zwar gute Qualität erhält, aber das letzte "Altzerl" zu wirklich Hohem fehlt. Weine dieser Klasse werden nicht von allen Konsumenten geschätzt, da sie im Allgemeinen als „einfach“ oder "Einsteigerweine" gelten. Für einen Betrieb sind es wirtschaftlich gesehen wichtige Weine, auch wenn sie nicht die sind, an denen sich der Glanz eines Betriebes festmachen lässt. Aber sie bewegen sich in guter Qualität in einem günstigen Preisbereich und das bei größerer Menge. Sie sind das Gegenstück zu den kürzlich im Weingesetz definierten „Reserve“-Weinen: Diese müssen einen Mindestalkoholgehalt von 13 Prozent haben, der Antrag für die Prüfnummer darf nicht vor 1. November des auf die Ernte folgenden Jahres gestellt werden. (Zum Beispiel würde man im aktuellen Jänner 2008 mit Reserve-Weinen aus der Ernte 2006 rechnen dürfen, wenn damals die Definition bereits gegolten hätte.)

Klassik-Weine sind schöne süffige Weine, die auch bereits jung Freude machen, aber jetzt keinesfalls so jung wie möglich getrunken werden müssen. Ein prächtiges Beispiel ist ein kürzlich probierter Zweigelt classic 2006 von Philipp Grassl aus Göttlesbrunn. Der Wein schmeckt weich und saftig nach dunklen Kirschen, was genau dem Sortencharakter entspricht, hat bei aller "classic" einiges an Struktur aufzuweisen und trinkt sich süffig und harmonisch. Tannin, in jedem Rotwein vorhanden, weil der Stoff in den Beerenhäuten natürlich vorkommt, nimmt man hier maximal als Gerüst wahr für einen Wein, der in einem hinreißenden Reifezustand ist. Er wird auch noch einige Jahre viel Freude machen, auch wenn er jetzt nicht dafür gedacht ist, dreißig Jahre im Keller zu lagern. Und dagegen spricht gar nichts.

Philipp Grassl hat in sehr jungen Jahren von seinem Vater Hans die Verantwortung am Göttlesbrunner Weingut übertragen bekommen und wurde Ende der 1990-er nach Gerhard Markowitsch zum nächsten Jungstar des Weinbaugebiets Carnuntum, das vor allem für Zweigelt und dichte, moderne Cuvées steht. Über die Jahre entwickelte er seinen Stil und steht auch für die Entwicklungen, die im Gebiet ablaufen: Holzfässer seien vom geschmacksgebenden Medium zu einem Reifemedium geworden, meinte Philipp Grassl anlässlich einer Präsentation von "Niederösterreich als Rotweinland". Besser lassen sich diese Entwicklungen nicht zusammenfassen. Speziell empfehlenswert ist übrigens auch Grassls Sankt Laurent Reserve, in dem die Trauben aus bis zu 45 Jahre alten Rebstöcken verarbeitet werden. (Luzia Schrampf)

Zweigelt classic 2006, nur noch im Handel erhältlich Zweigelt classic 2007, ab Hof 7 Euro

Weingut Hans & Philipp Grassl
Am Graben 4-6
2464 Göttlesbrunn
weingut-grassl.com
  • Zweigelt classic 2006 von Philipp Grassl aus Göttlesbrunn. Der Wein schmeckt weich und saftig nach dunklen Kirschen.
    foto: weingut-grassl

    Zweigelt classic 2006 von Philipp Grassl aus Göttlesbrunn. Der Wein schmeckt weich und saftig nach dunklen Kirschen.

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