Bilder aus Gaza

23. Jänner 2008, 19:31
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Man braucht die Bilder aus Gaza nicht, um zu wissen, dass dies kein symmetrischer Konflikt ist

Vielleicht kann man einfach einmal einen Schritt zurücktreten und die Bilder der aus dem Gazastreifen strömenden Menschen auf sich wirken lassen. Ohne sofort das Urteil fällen zu müssen, wer Schuld habe, wer allein - anders funktionieren Schuldzuweisungen ja nicht - verantwortlich sei für das Desaster, das eineinhalb Millionen Menschen im Gazastreifen befallen hat. 350.000 davon sind am Mittwoch über den niedergetrampelten Zaun nach Ägypten gestürmt - um, und das ist das Erstaunliche, danach meist freiwillig wieder nachhause zurückzuziehen, in ihr ganz spezielles Gefängnis mit den unterschiedlichen Wächtern, Hamas drinnen, Israel draußen. Mitsamt ihren Einkäufen: Auf einem Bild zieht ein Mann eine Kuh hinter sich her, andere kommen mit halben Schafherden.

Nein, hier ist nicht die Verleugnung ausgebrochen. Es stimmt, dass die Hamas die Notlage propagandistisch ausnützt, es stimmt, dass nicht nur harmlose Waren die Grenze zurück überqueren (übrigens ist auch die ägyptische Regierung sehr nervös angesichts der Sorte von Besuchern, die da, gemischt unter normale Leute, bei ihnen hereinspazieren könnten). Von der miserablen Situation, in der diese bedauernswerten Menschen leben, nimmt das alles nichts weg.

Eskalationsmaßnahmen

Auch nicht von der Tatsache, dass alle Eskalationsmaßnahmen, die Israel im Laufe des Konfliktes getroffen hat, am Ende nie etwas Gutes gebracht haben. Angriffe auf Zivilbevölkerung sind immer "kollektive Bestrafung", und das gilt auch für die Kassam-Raketen, die die Israelis in Sderot terrorisieren. Aber nicht nur die Kassam-Raketen auf Israel gehören in die Gleichung, sondern auch die israelischen "Liquidationsschläge", oft mit "menschlichem Kollateralschaden", auf Gaza. Der Unterschied - Absicht versus keine Absicht - wurde oft genug erklärt. Man braucht aber die Bilder aus Gaza nicht, um zu wissen, dass dies kein symmetrischer Konflikt ist. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 24.1.2008)

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