Porträt: Rhetoriker mit langem Atem

29. März 2008, 18:27
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Wolfgang Riedler soll der Grazer SPÖ zum Aufschwung verhelfen - "Gelernt, die Mühen der Niederungen abzudienen"

Graz – Böse Zungen behaupten, der neue Chef der Grazer SP, Wolfgang Riedler, sei genau das Gegenteil von Walter Ferk, seinem glücklosen Vorgänger. Der Jurist und Sohn des ehemaligen Chefredakteurs der 2001 zum letzten Mal erschienen Neuen Zeit, Josef Riedler, gilt als intellektueller Linker und Kunstliebhaber. Im Büro, in dem er seit 2003 als Finanzstadtrat an der Sanierung des Stadtbudget werkte, hängen Bilder von Fritz Panzer und Hubert Schmalix.

Riedler ist ein schlagfertiger Rhetoriker: Man schickte ihn des Öfteren statt des Spitzenkandidaten zu Podiumsdiskussionen. „Marx gelesen zu haben, gehört zu Allgemeinbildung“, meint er im Gespräch mit dem STANDARD. Er lasse sich aber auch gerne von der Kulturgeschichte inspirieren: Michel de Montaigne liest er ebenso gerne wie „Alfred Polgar oder Heimito von Doderer; das brauch ich zum Ausgleich“. Der Politiker ist mit einer ehemaligen ORF-Journalistin und jetzigen Trainerin für Wissenschafter im Uni-Bereich verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter im Alter von 15 und elf Jahren.

Reflexartiges neues Gesicht

Auch in der Landes-SP wurde Riedler jahrelang reflexartig genannt, wenn es um „neue, junge Gesichter“ ging. Mittlerweile ist er, der im Gemeinderat und 1997 auch ein Jahr im Nationalrat saß und als Justizsprecher der Bundespartei im Gespräch war, 47. Schon nach Ferks Wahlschlappe 2003, als die SP auf 26 Prozent stürzte, fragte Riedler Walter Ferk, den Teile der Gewerkschaft immer noch unterstützten, persönlich, ob er das Ruder übernehmen solle: „Ich hab mir das damals sehr gut überlegt, aber er hat es kategorisch abgelehnt.“

Karl-Heinz Herper, Klubchef der Grazer SP über Riedler, der geduldig einen weiteren Wahlkampf mit Ferk mitspielte: „Er hat bei seinem Vater gelernt, die Mühen der Niederungen abzudienen.“ Als man mit 19,8 Prozent am Montag als Kleinpartei erwachte, schlug Ferk Riedler selbst als Nachfolger vor, was einstimmiger bestätigt wurde. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe 24.1.2008)

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    Der neue Partei-Chef Wolfgang Riedler wollte schon 2003 ans Ruder.

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