Volksschülerinnen an Hepatitis erkrankt - 20. Fall in Salzburg

23. Jänner 2008, 18:37
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Der Hort der Mädchen steht in der Nähe jenes Supermarktes, von dem die Krankheitswelle von einem Fleischhauer ausgegangen ist

Wien/Salzburg - Die Serie von Hepatitis-A-Erkrankungen in der Landeshauptstadt Salzburg reißt nicht ab: Seit Montagabend haben die Salzburger Gesundheitsbehörden Gewissheit, dass sich eine neunjährige Volksschülerin ebenfalls mit Gelbsucht infiziert hat. Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass mittlerweile auch die Schwester der Neunjährigen erkrankt ist.

Das Mädchen besucht einen Hort im Stadtteil Schallmoos. Dort befindet sich jener Supermarkt, von dem die Infektionswelle ausgegangen ist. In dem Spar-Markt hatte ein mit dem hochinfektiösen Virus angesteckter Fleischhauer gearbeitet.

Routine-Maßnahmen

Die nach Bekanntwerden des neuen Gelbsucht-Falls getroffenen Maßnahmen gehören für die Gesundheitsbehörden inzwischen fast schon zur Routine. Klassenzimmer, WC-Anlagen der Volksschule und des Hortes wurden desinfiziert und chemisch gereinigt. Die Klassenkollegen der Schülerin wurden am Dienstag vorsorglich geimpft. An Lehrer und Hortpersonal wird appelliert, sich vorsorglich impfen zu lassen.

Fleischhauer ohne Hepatitis-A-Impfung

Der Salzburger Landessanitätsdirektor Christoph König hatte anlässlich des Auftretens der Gelbsucht wiederholt die Impfpraxis in Österreich kritisiert. Wie die meisten Mitarbeiter hatte der Fleischhauer, von dem die Infektionsserie ausgegangen ist, keine Schutzimpfung. König hält eine verpflichtende Hepatitis-A-Impfung im Lebensmittelhandel aber "fachlich für äußerst sinnvoll".

Im Moment gebe es nicht einmal eine dringende Impfempfehlung, wie sie etwa für Personal in Großküchen vorgesehen ist. Diese Empfehlung soll nach einem Beschluss des Obersten Sanitätsrates ab dem Impfplan 2009 für die gesamte Lebensmittelbranche auch tatsächlich kommen.

Keine Überraschung

Für die Salzburger Gesundheitsexperten kommt der neue Infektionsfall nicht überraschend. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und kann auch auf Verpackungen und in Küchenregalen lange überleben. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 50 Tage. Daher werden auch weitere Erkrankungen nicht ausgeschlossen.

Die Stadt Salzburg hatte nach der ersten Erkrankungswelle eine Verbraucherwarnung ausgegeben, die in dem betreffenden Markt im November und Dezember 2007 gekauften und möglicherweise kontaminierten Lebensmittel zu vernichten. Der Virus könne nur durch vollständiges Durcherhitzen auf eine Kerntemperatur von mindestens einhundert Grad vernichtet werden. Der Markt ist übrigens nach Desinfektionsmaßnahmen und einer längeren Schließphase inzwischen wieder geöffnet. (Thomas Neuhold, Markus Peherstorfer, DER STANDARD Printausgabe, 23.1.2008)

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    Die Krankheitswelle in Salzburg ging von einem Fleischhauer aus, der nicht gegen das Hepatitis-Virus geimpft war. Der Salzburger Landessanitätsdirektor fordert dringend eine Pflicht zur Schutzimpfung

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