Achim Wohlgethan: Endstation Kabul

11. April 2008, 15:00
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In seinem neuen Buch erzählt der deutsche Ex-Fallschirmjäger Achim Wohlgethan von seinem Alltag in Afghanistan

In seinem neuen Buch „Endstation Kabul“, das bereits vor offiziellen Präsentation am 10. Jänner für Aufregung sorgte, erzählt der deutsche Ex-Fallschirmjäger Achim Wohlgethan von seinem Alltag in Afghanistan. Der nach seiner Entlassung aus der „Division Spezielle Operationen“ als Sicherheitsberater tätige Autor berichtet in dem Buch von gefährlichen Einsätzen, die er mit der niederländischen Spezialeinheit "Korps Commandotroepen" (KCT) durchführte.

Vor allem die Passage, in der er beschreibt, wie ISAF-Soldaten festellen, ob ein Gelände vermint ist, indem sie Äpfel in das Feld werfen und die Reaktion der afghanischen Kinder beobachten („…rannten die Mädchen und Jungen dem Obst hinterher und es gab keinen Knall, galt das Gelände als unvermint. Liefen die Kinder nicht los, wurden Spezialkräfte zur Entschärfung gerufen.") sorgte für Aufsehen.

Wohlgethan erzählt von Politikerbesuchen, wegen derer plötzlich statt zehn nur noch zwei Soldaten in einem Zelt einquartiert werden, von „bekifften afghanischen Polizisten“ und vom hohen Alkoholkonsum der Soldaten in Afghanistan: Es habe nicht einen einzigen Tag im Camp Warehouse gegeben, an dem die sogenannte "Zwei-Dosen-Regelung", nach der pro Bundeswehr-Soldat und Tag zwei Dosen Bier getrunken werden dürfen, eingehalten worden sei.

Der ausgebildete Hubschrauberpilot, der von April bis Oktober 2002 und von November 2003 bis Februar 2004 in Afghanistan stationiert war, und sein Co-Autor Dirk Schulze, ein ehemaliger Hauptmann, der ebenfalls Afghanistan-Erfahrung hat, kritisieren die Einsatzleitung und die politisch Verantwortlichen: "Die Truppe vor Ort ist mit dem Einsatz gnadenlos überfordert. Wir fühlen uns von der Führung im Stich gelassen." Außerdem hätten Geräte, Waffen und Strategien gefehlt, um sich im Ernstfall zu verteidigen oder zu evakuieren: Im Ernstfall säßen die in Afghanistan insgesamt eingesetzten 3500 Bundeswehrsoldaten in der "Mausefalle".

Auch die unbegleitete Entlassung der Soldaten nach dem Afghanistan-Einsatz verurteilen die Autoren: im letzten Kapitel des Buchs schildert Wohlgethan, wie er „hart in der deutschen Realität aufschlägt“, sich über die unverschleierten Frauen in der Heimat wundert und mit der Angst vor Landminen kämpft.

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