Mit Videos auf Missionierungstour

23. Jänner 2008, 15:44
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Islamistische Gruppen, die ursprünglich vom Balkan stammen, agieren von Wien aus

Wien - "Diese Krieger sind wir - Die Moslems - mit denen du Susanne jetzt ein Problem hast", hieß es in dem Drohvideo gegen die FPÖ-Politikerin Susanne Winter, das zunächst von einem deutschen User gepostet wurde. Im Abspann folgte "Made by Bilal und Jasko". Das Video verschwand dann wieder und erschien ein zweites Mal durch einen österreichischen User auf Youtube, bis es ganz entfernt wurde

Eine These ist, dass das Video von Islamisten, die vom Balkan stammen, fabriziert wurde. Die Macher des Videos dürften demnach in Österreich oder Deutschland wohnen bzw. gewohnt haben. In Wien hat sich nach dem Krieg in Bosnien eine islamistische Community von Bosniern und Leuten aus dem Sandschak zusammengefunden. Treffpunkte der sogenannten Wahhabiten sind der Sahaba-Gebetsraum im siebten Bezirk in Wien und die Tehwid-Moschee im 12. Bezirk. Die Wiener Islamisten werden in Bosnien von der offiziellen isla-mischen Gemeinschaft (IZ) schon seit geraumer Zeit kritisch beäugt, denn sie haben erheblichen Einfluss auf Wahhabiten auf dem Balkan, die sie von Wien aus dirigieren.

Einerseits ist da die Gruppe um Muhammad Porca, der sich einen Machtkampf mit der IZ liefert. Als wirklich unberechenbar gilt aber die Gruppe um Nedzad Balkan alias Ebu Muhammed, der im Sahaba-Gebetsraum tätig ist. Die Sahaba-Gebetsraum wurde zuletzt öffentlich erwähnt, als bekannt wurde, dass der mutmaßliche Verfasser des Drohvideos gegen die österreichische Regierung im Sahaba-Gebetsraum verkehrte. Die Gruppe um Balkan (Kelimetul Haqq auf Deutsch "Das wahre Wort") gehört zu der Strömung "Al-Takfir wal-Hijra". Die Takfiris akzeptieren ausnahmslos die Scharia. Und sie sehen es als legitim an, Andersgläubige, die sie als "Kafir" bezeichnen, zu schädigen.

Die Gruppe, die eine "Dependance" im montenegrinischen Teil des Sandschak hat, stellt unter anderem aggressive Predigten ins Netz. Kelimetul Haqq "verbietet", in staatlichen Organisationen zu arbeiten, und kritisiert, dass in Bosnien die Polygamie verboten ist. Die Auseinandersetzung mit den Wahhabiten in Bosnien ist ein Politikum. Während von einigen auf der serbischen Seite und von Medien die Zahl und der Einfluss der Wahhabiten überhöht dargestellt wird, sind viele moderate Muslime tatsächlich besorgt, dass es Moscheen gibt, die sich mittlerweile der Kontrolle der IZ entziehen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2008)

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