Zeit der Gerüchte, Zeit des Bedauerns

17. März 2008, 15:45
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Die ARD gesteht "journalistische Fehler" ein. Das Österreichische Olympische Comité for­dert Fakten "und ein Ende der Gerüchte". Die Ermittlungen können mit beidem nicht dienen

Wien/Antholz - Es ist nichts eingestanden, es ist nichts ausgestanden, die sogenannte Dopingaffäre um ein sogenanntes Blutlabor in Wien zeitigte aber am Donnerstag unerwartete Reaktionen. In Antholz, wo dieser Tage Weltcup-Bewerbe im Biathlon gegeben werden, entschuldigte sich ARD-Moderator Michael Antwerpes "öffentlich für journalistische Fehler". Es sei nicht korrekt gewesen, pauschale Vorwürfe ohne Namensnennung zu erheben, "ohne dafür belegbare und nachprüfbare Fakten zu haben."Die Aussage gelte natürlich nur für den aktuellen Wissensstand.

Auslöser der Selbstbezichtigung dürfte die angekündigte Klage des DSV gegen verantwortliche Redakteure (aber nicht gegen die ARD selbst) gewesen sein. Der deutsche Skiverband will es nicht hinnehmen, dass einer gröberen Anzahl seiner Athleten ohne Namensnennung und Beweise unterstellt wird, zum Zwecke des Blutdopings ein Plasmaspendezentrum der Humanplasma aufgesucht zu haben.

Schon ein Skandal

Der halbe ARD-Rückzieher vom Mittwoch - es gehe wohl eher um zurückliegende Fälle, nicht um aktuelle Mitglieder der Nationalmannschaft - reichte dem Verband nicht. Eher einen Medien- denn einen Dopingskandal ortet DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. "Wir streben als ersten Schritt eine Unterlassungserklärung an." Eine Stuttgarter Kanzlei wurde beauftragt, mit Nachdruck zu streben.

Nach Fakten zur Causa sehnen sich österreichische Institutionen, allen voran das nationale olympische Komitee (ÖOC). "Wir können überhaupt nichts tun, weil wir keine Informationen haben, dass ein Athlet von uns involviert ist", sagte Generalsekretär Heinz Jungwirth. Sollte es eine Liste mit Namen geben, so sei sie auf den Tisch zu legen, "und Ende der Gerüchte".

Schließlich wurde auch von involvierten Schwimmern und Leichtathleten gemurmelt, was zunächst Schwimmverbands-Präsident Paul Schauer eine Verleumdung des österreichischen Sports generell vermuten ließ.

Immerhin Akteneinsicht zu den Ermittlungen der Behörden hat das Anti-Doping-Comité (ÖADC). "Es gibt derzeit keine Fakten", sagte ÖADC-Geschäftsführer Michael Mader am Donnerstag. Auch gegen die vier aktuellen und ehemaligen Radprofis, darunter der Tiroler Georg Totschnig, deren Namen von der ARD genannt worden waren, habe man keine Handhabe. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 18. Jänner 2008, red)

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