"Ich geh shishen, um zu chillen"

15. Jänner 2008, 22:03
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Der Trend des Shisha-Rauchens greift nun auch in Österreich um sich. Es sei gesünder, als Zigaretten zu rauchen, ist der gängige Mythos

Doch Gesundheitsexperten warnen: Die Gefahren werden völlig unterschätzt.

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Wien - "Hier können wir chillen, uns entspannen", meint Damir Janosevic. Der 16-jährige Schüler ist täglicher Gast im Hippie-Café in der Otto-Bauer-Gasse im 6. Wiener Gemeindebezirk. Es ist Samstagabend, und das kleine Lokal ist voll von Rauch; und Jugendlichen, die meisten von ihnen sind noch nicht volljährig. Seit der Eröffnung des Hippie-Lokals im Jahr 2001 hat es sich Besitzer Firooz Ardalan zum Ziel gemacht, jungen Menschen "die orientalische Kultur und das damit verbundene Wasserpfeiferauchen" näherzubringen.

Im Zuge der Islamisierung im 16.Jahrhundert sei das Rauchen der Wasserpfeife von Persien ins osmanische Reich gelangt. Doch im Gegensatz zu den klischeehaften Vorstellungen von einem persischen Teehaus läuft hier laute Musik im Hintergrund. Und Frauen seien ebenso häufig anzutreffen wie Männer, erzählt der Café-Besitzer weiter.

Eben dieses "orientalische Flair" wird von vielen Jugendlichen wie etwa der 16-jährigen Silvia Weidinger, als "stylisch" empfunden. Das "Shi shen" - wie das Wasserpfeiferauchen unter den Besuchern genannt wird - habe auch bei Janosevic eine "gewisse Begeisterung" ausgelöst.

Viele Aromen als Reiz

Die Beliebtheit des Shishens unter Jugendlichen führt Heiko Wolf von der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf die vielen Geschmacksrichtungen und Zusätze der Wasserpfeifen zurück, die beim "herkömmlichen Tabak" nicht vorhanden seien.

Mit einer Shisha wird hauptsächlich Tabak mit Fruchtaromen konsumiert, die Bandbreite erstreckt sich von Kirsche, Kokos, Apfel hin zu Banane. In den Trafiken ebenfalls verkauft werden allerdings Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Karamell oder Cola.

Den gesundheitlichen Risiken steht Ardalan eher gelassen gegenüber, denn Shishen sei gesünder als das Rauchen einer Zigarette, da der Tabak weniger Gift enthalte, meint der Café-Besitzer.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist in seiner Studie zu den "Gesundheits- und Suchtgefahren durch Wasserpfeifen" jedoch anderer Meinung: "Die Nikotinkonzentration im Blut steigt beim Rauchen von Wasserpfeifen stärker an als nach Zigarettenkonsum."

Dies bestätigt auch Wolf; die meisten Jugendlichen würden meinen, dass das Wasser in der Pfeife den Rauch von Giftstoffen befreie, das sei jedoch nicht der Fall. Es kühle nur den Qualm, sodass dieser beim Einatmen nicht - wie eine Zigarette - im Hals kratze. Das Rauchen einer Wasserpfeife sei somit "auf jeden Fall schädlicher" als eine Zigarette, betont Wolf.

Zu den gesundheitlichen Folgen des regelmäßigen Shisha-Konsums gehören unter anderem auch Lungenkrebs, Magenkrebs und Schädigungen im Mundbereich sowie durch unhygienische Verhältnisse ausgelöste Krankheiten wie Herpes oder Tuberkulose.

Die Gefahr sieht Wolf vor allem in den niedrigen Temperaturen während des Rauchens, wodurch das Nikotin "nicht verbrennt, sondern verschwelt", was zu einer höheren Menge an produzierten Giftstoffen führe.

Trotz der etwaigen Folgeerscheinungen des Wasserpfeiferauchens, bestätigt Wolf, ist dies hauptsächlich ein Trend unter Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren. Dies führt Ardalan auf die jugendliche Neugier zurück, denn Jugendliche "haben den Mut, Neues auszuprobieren".

Auszeit von der Schule

Eben diese Neugier habe auch Weidinger dazu bewogen, sich ihren Freunden anzuschließen und sich selbst von der Exotik des Shishens zu überzeugen. Schließlich habe es ihr "immer mehr und mehr Spaß gemacht", und inzwischen komme sie fast jeden Tag, um sich Beruhigung vom hektischen Alltag zu verschaffen. Dass Shisha-Rauchen eine große Suchtgefahr birgt, bestätigt auch die Studie des BfR, laut der die hohe Nikotinaufnahme leicht zu vermehrtem Suchtverhalten führen könne.

Das Gemeinschaftsgefühl welches beim Rauchen enstehe, verstärke die Popularität dieser "schicken Modeerscheinung", analysiert Wolf. Etwas, worin ihm Julia Mester-Tonczár beipflichtet. Sie sieht Shisha-Rauchen als einen guten Anlass, ihre Freunde zu treffen und in einer Gemeinschaft zu sein.

Speziell nach der Schule, "wenn alles stressig ist" und man unbedingt eine Auszeit brauche, sei "das Rauchen der Wasserpfeife eine ideale Beruhigung", außerdem "kenne ich hier viele Leute". Auch der 16-jährige Patrick Bocan sieht Shishen als eine Art Zeitvertreib für lange Tage: "Bevor ich auf der Straße steh', gehe ich lieber Shishen, um zu chillen." Etwas, das ihm kurz danach widerfährt: Der Abend ist vorangeschritten, als sechs Polizisten das Hippie-Lokal betreten. Sie kontrollieren die Ausweise der Gäste und testen die minderjährigen Gäste auf ihren Alkoholpegel. Alle unter 18-Jährigen werden hinausgeschmissen.

Völlig unbeeindruckt davon zeigt sich ein hinausgeschmissener Gast. Razzien, das sei etwas, das "hier ständig passiert", erklärt er. Er selbst kommt zum Shishen trotzdem immer wieder hierher. (Ina Bauer, Arian Lehner ,Hannah Tiefengraber/DER STANDARD Printausgabe, 15. Jänner 2008)

  • Ständig gebe es diese Razzias, bei denen Shisha-Raucher unter 18 Jahren gehen müssen.
    foto: newald

    Ständig gebe es diese Razzias, bei denen Shisha-Raucher unter 18 Jahren gehen müssen.

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