Duell um das Präsidentenamt und die Zukunft Serbiens - mit Infografik

19. Jänner 2008, 23:05
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Am Sonntag tritt Präsident Tadic gegen den Nationalisten Nikolic an: Tadic will nach Europa, Nikolic die Verbrüderung mit Russland

Die Bürger Serbiens werden am 20. Jänner zwischen Stabilität und Krise, Weltoffenheit und Isolation, Europa und Russland wählen müssen, sagt Serbiens amtierender Präsident Boris Tadic. Wenn ich wieder zum Präsidenten gewählt werde, dann werde ich die europäischen Integrationsprozesse fortsetzen und Serbien in die EU führen, verspricht Tadic während seiner Wahlkampagne, die unter dem Motto "Für ein starkes und stabiles Serbien" steht.

Die Wahlen hätten eine schicksalhafte Bedeutung für Serbien, mahnt der gut aussehende, sportliche Tadic. Sein Sieg wäre ein Triumph der europäischen Zukunft. Der Sieg seines stärksten Kontrahenten, des Kandidaten der antiwestlichen "Serbischen Radikalen Partei" (SRS), Tomislav Nikolic, würde Serbien hingegen in die nationalistische Vergangenheit zurückwerfen.

Gut gegen Böse

Die Präsidentschaftswahlen versucht Tadic auf einen Kampf des Guten gegen das Böse zuzuspitzen und so die unzähligen enttäuschten, apathischen, jungen Bürger Serbiens zum Urnengang zu motivieren. Kritiker meinen jedoch, dass es nicht ganz klar ist, wen Tadic mit seiner Wahlkampagne ansprechen möchte. Einerseits steht er für die europäische Integration Serbiens, andererseits will er ebenso wie seine Gegner die Unabhängigkeit des Kosovo "niemals" anerkennen. Die zwei Fragen sollte man voneinander trennen, sagt Tadic staatsmännisch, erklärt aber nicht, wie das in der Praxis funktionieren soll, wenn die meisten EU-Staaten den Kosovo anerkennen. Während er Serbien in die EU führen möchte, unterstützt er gleichzeitig den Aktionsplan der serbischen Koalitionsregierung.

Tadic hat sich für die im Namen Serbiens begangenen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien entschuldigt. Er setzt sich für die volle Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal für Kriegsverbrechen ein. Seine potentiellen Wähler werfen ihm aber die Koalition mit dem national-konservativen Premier Vojislav Kostunica, vor. Tadics Wiederwahl würde dennoch eine europäische Perspektive für Serbien offen halten.

"Mit ganzem Herz"

Während Tadic links und rechts um Stimmen wirbt, führt Tomislav Nikolic eine ruhige, zielsichere Wahlkampagne. Unter dem Slogan "Mit ganzem Herz für den Kosovo", sagt er unmissverständlich: Wenn die EU den Kosovo anerkennt, dann hat Serbien nichts in der EU zu suchen und soll sich an Russland binden. Er gibt serbische Verbrechen während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien nicht zu und denkt nicht daran "serbische Helden" dem "politisierten" UN-Tribunal auszuliefern, wo seinem Parteichef, Vojislav Seselj, der Prozess wegen Kriegsverbrechen gemacht wird.

Ebenso wie Tadic schließt er aber einen Krieg um den Kosovo aus. Er wendet sich an die Millionen sozial schwacher, unzufriedener Serben: Der Staat würde von Mafiosi geführt, die im Auftrag des Westens Serbien ausplündern würden, serbische Unternehmen zu Spottpreisen verkauften und den Serben ihren Nationalstolz nehmen wollten, sagt Nikolic. Er werde dafür sorgen, dass die Kriminellen ins Gefängnis kommen und die ehrlichen Bürger besser leben können. Seine Parolen kommen an. In Umfragen liegt er bei 21 Prozent Zustimmung, Tadic bei 19 Prozent. Eine knappe Stichwahl am 3. Februar wird erwartet. Mit Nikolic an der Spitze Serbiens wäre die Tür nach Europa von beiden Seiten vorerst fest verriegelt. (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, Printausgabe 16.1.2008)

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    Präsident Boris Tadic plädiert für Weltoffenheit statt Isolation und für die europäische Integration.

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    Tomislav Nikolic, Kandidat der serbischen Radikalen wirbt um die sozial Schwachen.

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