"Herdprämie" ist das deutsche Unwort des Jahres

23. Jänner 2008, 14:04
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Auf Rang zwei schaffte es der Begriff "klimaneutral" - In Österreich war "Komasaufen" zum Unwort des Jahres gekürt worden

Frankfurt/Main - "Herdprämie" ist das Unwort des Jahres 2007 in Deutschland. Das Wort diffamiere Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erzögen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen, erklärte die Jury um den Sprachwissenschafter Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main.

Auf Platz zwei landete der Begriff "klimaneutral". Den dritten Rang nahm die Formulierung des Kölner Kardinals Joachim Meisner ein, wonach Kunst und Kultur "entartet", wenn sie ihre religiöse Bindung verliert.

"Komasaufen"

In Österreich war bei einer Abstimmung, die unter Leitung von Univ.-Prof. Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik der Uni Graz in Kooperation mit der APA-Austria Presse Agentur durchgeführt wurde, "Komasaufen" zum Unwort des Jahres gekürt worden. Wort des Jahres wurde dabei der "Bundestrojaner".

Als "Herdprämie" bezeichnen Kritiker das vor allem von der CSU geforderte Betreuungsgeld für Eltern, die kleine Kinder zu Hause erziehen. Die Unwort-Jury kritisierte, es gebe inzwischen ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungsabsicht ebenfalls deutlich werden lasse. Dazu gehörten unter anderem die Varianten "Aufzuchtprämie" oder "Gluckengehalt".

"Werbung mit "klimaneutral"

Der auf Platz zwei gewählte Begriff "klimaneutral" stellt für die Jury einen Versuch dar, für eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu werben, "ohne dass dabei deutlich wird, wie diese Klimabelastungen 'neutralisiert' werden sollen." Kritik übten die Sprachwissenschafter auch an der umstrittenen Äußerung Kardinal Meisners über "entartete" Kultur. "Entartete Kunst" sei ein NS-Schlüsselbegriff gewesen, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke diffamiert und "beseitigt" worden seien, erklärte die Jury.

Das Unwort des Jahres wird in Deutschland seit 1991 von einer unabhängigen Jury aus Sprachwissenschaftlern gewählt. Gesucht werden Wörter und Formulierungen, "die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen." Für die diesjährige Entscheidung waren 969 verschiedene Vorschläge eingegangen. Der Jury gehörten neben vier Wissenschaftern als ständigen Mitgliedern der Journalist Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung" und die ARD-Journalistin Sonia Mikich an. (APA/red)

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