Internationale Pressestimmen: "FPÖ-Politikerin beleidigt Mohammed"

23. Jänner 2008, 12:11
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Starkes Medien-Echo in Deutschland - "Tagesspiegel" schließt Gewalt nach der Islam-Beleidigung nicht aus

Wien - Die FPÖ-Spitzenkandidatin bei der Gemeinderatswahl in Graz, Susanne Winter, ist mit ihren Verbalattacken gegen den Islam auch in deutschsprachigen Medien auf breites Interesse gestoßen. So titelt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) am Dienstag: "FPÖ-Politikerin beleidigt Mohammed", der "Tagesspiegel" schließt Gewalt nach der Islam-Beleidigung nicht aus.

Wörtlich heißt es im Berliner "Tagesspiegel": "In Österreich werden nach der massiven Beleidigung des Islams durch eine rechtsgerichtete Kommunalpolitikerin gewalttätige Reaktionen befürchtet. Die Spitzenkandidatin der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei FPÖ für die Kommunalwahl in Graz, Susanne Winter, hatte bei einer Wahlveranstaltung den Propheten Mohammed als 'Kinderschänder' bezeichnet und gefordert, der Islam gehöre 'dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer'."

Die Münchner SZ berichtet: "Die österreichische FPÖ-Politikerin Susanne Winter ist wegen als islam-feindlich empfundener Äußerungen in die Kritik geraten. ... Alle anderen Parteien, viele Organisationen und Glaubensgemeinschaften distanzierten sich. Auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und sein Koalitionspartner Wilhelm Molterer (ÖVP) verurteilten die Aussage. Gusenbauer erklärte, Winters Behauptungen entbehrten jeder historischen Grundlage. Molterer schloss sogar künftige Koalitionen 'mit dieser FPÖ' aus. Indes prüfen Staatsanwälte, ob die Politikerin den Tatbestand der Verhetzung erfüllt hat, der mit Haft von bis zu zwei Jahren bestraft werden kann. Möglich sei auch ein Verstoß Winters gegen das Verbot der "Herabwürdigung religiöser Lehren", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet ebenfalls über die empörten Reaktionen der Politiker anderer Parteien: "In den Reaktionen schwang die Sorge mit, wonach sich aus dem Vorgang eine Woche vor der an diesem Sonntag stattfindenden Wahl eine Entwicklung ergeben könnte wie seinerzeit nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung."

Die "Stuttgarter Nachrichten" schreiben über die Grazer FPÖ-Politikerin Winter: "Provozieren und dabei lächeln, zuschlagen und dann wieder am Porzellantässchen nippen: Die zweitgrößte Stadt Österreichs, ein Ausbund an Ruhe und Liebenswürdigkeit, wird seit Wochen von zwei rechtspopulistischen Parteien von einer Ohnmacht in die nächste geführt. An jeder Ecke schreien Plakate gegen Moscheen, Islam, Bettler. 'Wir säubern Graz!', droht das von der FPÖ abgespaltene Bündnis Zukunft Österreichs (BZÖ) von Kärntens Landeshauptmann (Ministerpräsident) Jörg Haider, und eine Riege lachender junger Damen und Herren in Orange wischt mit dem Besen alle Übel weg: 'Ausländerkriminalität', 'Bettlermafia'. Und Winters Sohn, Kopf des Rings freiheitlicher Jugend, schlug vor, Schafe im Stadtpark grasen zu lassen, damit die Muslime 'unsere Frauen und Mädchen' in Ruhe lassen: 'Lieber Sodomie als Vergewaltigung'."

Kurz berichten auch die Berliner taz (die tageszeitung) und die "Frankfurter Rundschau" über die Vorgänge in Graz.

Die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung", die bereits in ihrer Montag-Ausgabe unter dem Titel "Österreichs Freiheitliche attackieren den Islam" ausführlich aus Graz berichtete, schreibt am Dienstag: "Die antiislamische Polemik der freiheitlichen Spitzenkandidatin in den Grazer Gemeinderatswahlen, Susanne Winter, am FPÖ-Neujahrstreffen vom Sonntag hat in ganz Österreich eine Welle der Empörung ausgelöst. Politiker aller Parteien distanzierten sich vehement von den Äußerungen Winters. ... Die FPÖ-Politikerin Winter hingegen verweigerte jegliche Entschuldigung oder Distanzierung - im Gegenteil: Im Boulevardblatt 'Österreich' wurde sie mit der Aussage zitiert, dass der Kindesmissbrauch durch muslimische Männer weit verbreitet sei. ... Die Polemiken der FPÖ und, in unwesentlich abgemilderter Form, seitens Jörg Haiders BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) sind Symptome des erbitterten Ringens der Rechtsparteien um Wählerstimmen bei den Grazer Gemeindewahlen und hernach bei den niederösterreichischen Landtagswahlen." (APA)

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