Wien: Odyssee einer Leiche

28. Jänner 2008, 16:54
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Spitäler lehnten gerichtsmedizinische Obduktion ab

Wien - Anfang Jänner sollte in Wien eine Leiche obduziert werden. Aus Kreisen der Gerichtsmedizin ist nun durchgedrungen, dass es davor einer "Herbergssuche" bedurft habe. Die Verantwortlichen der Gerichtsmedizin sollen zunächst von der Rudolfstiftung grünes Licht für die Obduktion erhalten haben. Die Leiche wurde daher aus dem Krankenhaus Hietzing dorthin transportiert. In der Rudolfstiftung soll dann aber die ärztliche Leitung abgelehnt haben. Denn es handelte sich um eine sogenannte Faulleiche, und ein solche dürfte wiederum nur im Krankenhaus Hietzing obduziert werden.

Also wurde der Leichnam erneut nach Hietzing gefahren, wo aber plötzlich auf fehlende Verträge zur Obduktion verwiesen wurde. Außerdem gab es hygienische Bedenken. Schlussendlich soll aber wegen der Dringlichkeit des Falles in einer Abstellkammer des Hietzinger Krankenhauses die Obduktion durchgeführt worden sein. Zwei weitere Leichen sollen auch gleich untersucht worden sein. Ein rechtsgültiger Vertrag für Fälle, die in Zukunft folgen, bestehe noch in keinem Krankenhaus, behaupten Gerichtsmediziner.

"Anlaufschwierigkeiten"

Paul Vecsei, Sprecher des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), weiß von dem Vorfall und bestätigte gegenüber dem STANDARD, dass es Probleme gegeben hat, einen Obduktionsplatz zu finden. "Das waren Anlaufschwierigkeiten", meint Vecsei. Kommunikationsfehler gesteht er vonseiten des KAV keine ein. Die gerichtlich bestellten Sachverständigen hätten Vereinbarungen mit den Spitälern zu treffen. Wie berichtet, können, seit das Gerichtsmedizinische Institut mit Ende 2007 geschlossen wurde, Obduktionen im Kaiser-Franz-Josefs-Spital, in der Rudolfstiftung, im Krankenhaus Hietzing und im Donauspital durchgeführt werden. Die Stadt Wien sei lediglich dazu verpflichtet, "dafür den Tisch zur Verfügung zu stellen", sagt Vecsei.

Die Gesundheitssprecherin der Wiener Volkspartei, Ingrid Korosec, meint, Stadträtin Sonja Wehsely (SP) habe es versäumt, die notwendigen Rahmenbedingungen für Obduktionen in den Spitälern des Kranken- anstaltenverbunds zu schaffen. Im Büro Wehsely verweist man auf die Zuständigkeit des KAV. (Gudrun Springer; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2008)

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