EURO-Sonntagsöffnung droht Fiasko

6. Februar 2008, 15:35
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Die Möglichkeit, während der Fußball-EM im Juni die Geschäfte am Sonntag offen zu halten, stößt in Wien auf mäßiges Interesse

Wien - Einzelhandel und Einkaufszentren-Betreiber zeigen sich bezüglich einer Sonntagsöffnung während der EURO 2008 skeptisch. Wiens größtes EKZ, das Donauzentrum, wird definitiv kein Sonntags-Shopping anbieten. Rewe wird zumindest in Stadion-Nähe am Sonntag öffnen. Tatsächlich sind auch rechtliche Einschränkungen noch möglich - die Lizenz zum Offenhalten könnte nur für einige Branchen bzw. Warengruppen gelten.

"Fußballfans machen kein Shopping"

"Nein, wir werden nicht aufsperren, weil es dem Einzelhandel nichts bringt", betonte der Chef des Donauzentrums, Nils Christian Hakert. "Fußballfans machen kein Shopping", so Hakert, der prinzipiell als einer der Vorreiter in Sachen Sonntagsöffnung gilt. Ein solcher ist auch Richard Lugner. Ob seine Lugner-City an den EM-Sonntagen aufsperren wird, ist aber noch nicht entschieden. "Ich muss erst mit meinen Mietern reden", sagte Lugner.

Kaum Gelegenheit zum Sonntagsshopping wird wohl auch die Mariahilfer Straße bieten. "Wir werden die Geschäfte an EM-Sonntagen nicht öffnen", so der Chef des Kaufleute-Vereins der Mariahilfer Straße, Adolf Brenner, in der "Presse". Auch die großen Filialketten hätten sich skeptisch gezeigt. Auch in der Kärntner Straße ist die Situation laut dem Bericht "völlig durchwachsen". Einige Geschäfte werden demnach offen halten, die Luxusshops werden die Möglichkeit hingegen nicht nutzen.

Selbst im Stadion Center direkt beim Wiener Ernst Happel-Stadion ist man noch sicher, ob die Geschäfte geöffnet sein werden werden. Es gehe vor allem um Fragen der Sicherheit, so Center-Managerin Kathrin Kammerer.

Sonderregelung für einzelne Standorte

Bei der Handelskette Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) plant man an den EURO-Sonntagen an den österreichischen Austragungsorten einzelne Filialen offenzuhalten, allerdings nur im Umkreis der Spielstätten, hieß es. Bei Spar will man sich mit der Entscheidung noch Zeit lassen. Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann meinte, dass sich bei der Rad-WM 2006 in Salzburg das Offenhalten nur im unmittelbaren Umfeld des Sport-Ereignisses als sinnvoll erwiesen habe.

Konkret geht es bei der Sonntagsöffnung um den 8., den 15., den 22. und den 29. Juni 2008. Gemäß einem im Oktober 2007 vereinbarten Sonderkollektivvertrag darf an diesen Sonntagen zwischen 12.00 und 18.00 Uhr aufgesperrt werden. In Wien, wo an allen Sonntagen außer dem 15. Juni gespielt wird, fehlt dazu allerdings weiterhin die entsprechende Rathaus-Verordnung.

Für Ende Jänner sei eine weitere Gesprächsrunde mit den Sozialpartnern angesetzt, hieß es im Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (S). Die völlige Freiheit wird es möglicherweise nicht geben: Die Gewerkschaft wünscht sich nämlich eine Beschränkung auf Branchen und bei der räumlichen Ausdehnung. Dem Vernehmen nach könnte es tatsächlich eine Festlegung auf einzelne Warengruppen geben. Mit der regionalen Einschränken hat man im Rathaus hingegen keine Freude: Immer wieder war betont worden, dass man eine Regelung für die ganze Stadt anpeile. (APA)

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    foto: standard/matthias cremer
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