Funken, bis die Tickets kommen

8. Jänner 2008, 20:00
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Usability-Tests begleiten die Markteinführung von Near-Field- Communication

Auf rund 300 Meter Reichweite kommt Wireless Lan im Idealfall, Bluetooth der stärksten Sendeklasse schafft gut 100 Meter - und die allseits bekannte Infrarotfernbedienung immerhin noch die paar Meter bis zum nächsten Fernseher. Mehr brauchte man bisher eigentlich nicht, um bequem drahtlos zu kommunizieren.

Wozu also eine neue Technologie, die nur über gut fünf Zentimeter weit senden und empfangen kann? Sony und Philips, die Entwickler der sogenannten Near-Field-Communication (NFC), sind sogar besonders stolz darauf, dass diese nur über solch kurze Entfernungen funktioniert. Die geringe Reichweite sei in diesem Fall nämlich kein Nachteil, sondern die große Stärke der Technologie. Denn eben gerade und nur durch die unmittelbare Annäherung von zwei NFC-Geräten werde eine Verbindung zwischen diesen hergestellt. Anwendungsmöglichkeiten soll es viele geben. Bezahlung via Handy ist bereits möglich.

"Berührung ist eine sehr intuitive und einfache Art, mit mobilen Geräten eine Verbindung herzustellen und zu kommunizieren. Dies wird nicht nur den Nutzen vorhandener Dienste erhöhen, sondern auch viele neue Applikationen hervorbringen", sagt Christoph Kößler, Produktmanager der Mobilkom Austria. Das Mobilfunkunternehmen bietet seit September vergangenen Jahres als erstes der Branche die neue Technologie im kommerziellen Rahmen an. Die Technik funktioniere bestechend einfach, jubelt Kößler.

Das Handy erzeuge ein Hochfrequenz-Magnetfeld, das einen separaten sogenannten NFC-Tag mit Energie versorgt. So kann dieser Chip mit dem Handy ausgelesen werden. Bei diesem passiven Übertragungsverfahren erzeugt nur das Mobiltelefon das Magnetfeld. Im aktiven Modus sendet auch das NFC-Tag, um so beim Handy verschiedene Einstellungen wie beispielsweise die optimale Übertragungsgeschwindigkeit zu wählen.

Fahrscheine kaufen

"Mit dem Nokia 6131 NFC können unsere Kunde bereits Fahrscheine für die Wiener U-Bahnen und an allen ÖBB-Bahnhöfen im Großraum Wien, von Floridsdorf bis Wiener Neustadt, kaufen", so Kößler. Dazu müsse man lediglich sein Handy an einen der NFC-Touchpoints halten. Anschließend startet auf dem Mobiltelefon ein entsprechendes Programm. Dann gibt der Kunde den gewünschten Zielbahnhof ein und bestätigt per SMS den Kauf des Tickets. Innerhalb von wenigen Sekunden erhält der Bahnfahrer dann seinen Fahrschein auf das Handy. Auch Lottospielen oder Kurzparken in der Wiener Innenstadt ist seit September bereits per NFC-Technologie möglich. Seit einigen Tagen können die NFC-Nutzer zudem am Snack-Automaten ohne Bargeld etwas für zwischendurch ziehen, so Kößler.

"So einfach diese Technologie aber auch anmuten mag - um sie bis zur Marktreife zu bringen, war und ist eine Menge Aufwand nötig", sagt Arjan Geven, Ingenieur am Center for Usability Research & Engineering, kurz Cure, in Wien. So testete ein Wissenschafter-Team kürzlich in einem der weltweit umfangreichsten NFC-Feldversuche den Umgang der Benutzer mit NFC-Anwendungen, einschließlich deren Akzeptanz. Rund 100 Studenten und FH-Mitarbeiter am Campus Hagenberg setzten dazu sechs Monate lang die NFC-Technologie im Uni-Alltag ein.

Sie konnten dabei in zwei Kantinen und an den Getränkeautomaten mit elektronischem Geld bezahlen und dieses auch über das Mobilfunknetz nachladen. Zudem ermöglichten die NFC-Handys Zutritt zu Garage, Hörsälen sowie Laboratorien. Stunden- und Speisepläne oder auch allgemeine Nachrichten ließen sich an NFC-Infoterminals auf das Handy übertragen. (Denis Dilba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. Jänner 2008)

  • Near-Field-Communication soll den 
Ticketkauf 
beschleunigen.
    foto: mobilkom

    Near-Field-Communication soll den Ticketkauf beschleunigen.

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