Ein Wolf, der im Keller bleiben muss

7. Jänner 2008, 22:14
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"Du Wolf brauchst dich gar nicht beschweren. Es ist schließlich deine eigene Schuld."

Allein und ratlos, so sitzt er da: eingesperrt im Keller, zwischen Autoreifen, ausrangiertem Spielzeug und vollgepackten Schachteln, nur eine Glühlampe gibt ein bisschen Licht. Es bleibt wenig übrig vom angeblich so "bösen Wolf" - der Beginn der Geschichte nimmt, was sicher ungewöhnlich ist, das Ende gleich vorweg. Und es heißt dazu: "Du Wolf brauchst dich gar nicht beschweren. Es ist schließlich deine eigene Schuld."

Anouk Bloch-Henry hat mit Ab in die Kiste ein Buch für Dreijährige (und natürlich Ältere) rund um das Thema Angst geschrieben. Ein Bub fürchtet sich vor dem schwarzen Wolf, der immer nachts in seinem Zimmer auftaucht. Er erzählt, wie der Papa von ihm zum Wachehalten verdonnert wird, dann aber leider einschläft und sich der Wolf so doch ins Kinderzimmer schleichen kann. Aber, heißt es dann, "da haben deine Sorgen angefangen!" Gemeinsam bauen Vater und Kind eine "Wolfkiste", in die alles kommt, was an das Tier erinnert - beispielsweise die Kassette von Peter und der Wolf oder ein Buch über Zootiere. Die versperrte Kiste bringen sie in den Keller: Und da sitzt er nun, der Wolf.

Bloch-Henry erzählt die Geschichte aus der Jungenperspektive locker dahin. Nichts holpert, der Erzählstrang ist klar und schnörkellos. Die Illustrationen von Pronto sind detailreich und witzig - manchmal wirken sie aber doch etwas zu ernst. Der Wolf schaut in manchen Bildern wirklich böse, zu böse. Die Autorin ist aber anscheinend überzeugt, dass derartiges furchtmildernd wirken kann. Hat sie doch das Buch einer gewissen Lisa gewidmet, "die jetzt keine Angst mehr vor dem Wolf hat". (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 5./6.1.2008)

Anouk Bloch-Henry, Pronto
"Ab in die Kiste"
13,30 Euro, 22 Seiten
Kinderbuchverlag Wolff,
Bad Soden am Taunus 2007
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