Bei Austria Wien bleibt alles anders

23. Jänner 2008, 12:01
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Der Verein hofft unver­drossen auf Zuwendun­gen durch Stro­nach, ei­ne Ei­nigung in Sachen Akademie ist dafür auch Voraussetzung

Wien - Schwanenstadt geht einer goldenen Zukunft entgegen. Der offizielle Name SCS bet-at-home.com wird wahrscheinlich ab 2008/09 nicht mehr die Bundesliga-Tabelle verunzieren, denn dieser Tage sollten die Verhandlungen zwischen Frank Stronach und dem Red-Zac-Ligisten abgeschlossen werden. Stronach will die Oberösterreicher übernehmen, wie Dietrich Mateschitz die Salzburger übernahm. Er will zahlen, anschaffen und sich nicht mehr mit einem unabhängigen Vereinsvorstand herumplagen.

In Schwanenstadt soll Stronachs Modell von der Ausbildung und Nutzung junger Fußballer ohne Übertragungsverluste verwirklicht werden. Austrias Amateurmannschaft mit ihren Stronach-Akademie-Kickern kann der Statuten wegen nicht von der Red Zac in die T-Mobile Liga aufsteigen. Schwanenstadts Mannschaft soll nun mit selbstgezogenen Jungmännern gefüllt werden. Aber Schwanenstadt hat keine Akademie. Daher braucht Stronach wieder "seine" Akademiker, die er also der Austria entführen würde. Denn es ist kaum vorstellbar, dass die Austria Spieler für Schwanenstadt ausbildet.

Interessenkonflikt

Hier ist ein Interessenkonflikt im Entstehen, denn sowohl Stronach, der die Akademie zahlt, als auch die Austria, die sie in Hollabrunn mittels Trainern, Know-how und Lizenz führt, beanspruchen das jährlich zwei Millionen Euro teure Institut. Die Austria braucht für ihre Lizenz keine Akademie, sie braucht Nachwuchsteams, bis zur U19 herauf. Mit Kickern bis zur U15 ist sie versorgt, die U17 und U19 lassen sich nötigenfalls auch ohne Akademie finden.

Schon der Betriebsführungsvertrag mit der Austria (aus dem Jahr 2000) scheint Stronach nicht recht gewesen zu sein: Zu viel Geld, insgesamt wohl mehr als 100 Millionen Euro, zu wenig Entscheidungsgewalt. Als Stronach vor zwei Jahren mit einer Opposition im Klub konfrontiert wurde, die ihn loswerden wollte und selbst nichts zusammenbrachte, hatte er endgültig genug und kündigte die Vereinbarung. Seit einem Jahr ist Stronach Austrias Hauptsponsor, der von den rund 17 Millionen des Budgets zwei Drittel bestreitet. Falls er geht, wird die Austria auch den Sponsor Verbund verlieren. Und der Kontrakt mit Siemens läuft ebenfalls aus.

Die Liga-Statuten sehen ab März vor, dass ein Verein drei Jahre Mitglied eines Landesverbands sein muss, bevor er die Lizenz beantragen kann. Die Bestimmung erschwert die Transferierung von Klubs an einen lukrativen Standort. Sie steht krass im Gegensatz zur EU-weiten Flexibilisierung und erschwert die Führung eines Profivereins als Wirtschaftsbetrieb. Sie ist wahrscheinlich als Maßnahme gegen Willküraktionen nach dem Muster Pasching / Austria Kärnten gedacht, doch wie es ausschaut, muss die Wiener Austria dafür zahlen. (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 8. Jänner 2008)

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