Geringe Chance auf Angebot

4. April 2008, 08:49
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Insider erwarten keine Pflicht von Martin Schalffs MS Privatstiftung zum Pflichtangebot an alle RHI-Aktionäre

Wien - Investoren, die sich in Erwartung eines Übernahmeangebots durch die MS-Privatstiftung mit RHI-Aktien eingedeckt haben, haben möglicherweise voreilig gehandelt. Denn in RHI-Unternehmenskreisen wie im Dunstkreis der Übernahmekommission der Wiener Börse gleichermaßen wird die Wahrscheinlichkeit, dass die dem Investor Martin Schlaff zurechenbare MS Privatstifung am 15. Jänner vom dritten Senat unter Vorsitz von Wilfried Braumann zu einem Pflichtangebot an alle Aktionäre verdonnert wird, als sehr gering eingestuft.

Konsequenzen für das möglicherweise abgestimmte Verhalten bei Wahl und Abwahl von Aufsichtsratsmitgliedern in der Hauptversammlung im Juni 2007 würden "durch die Novelle des Übernahmegesetzes (samt Anhebung der Kontrollschwelle von 25 auf 30 Prozent, Anmerkung der Redaktion) deutlich erschwert", heißt es als Begründung.

Daran ändere auch nichts, dass die RHI-Großaktionäre MS Privatstiftung (mehr als 25 Prozent) und Wilhelm Winterstein (mehr als fünf Prozent) Herbert Cordt, Ex-RHI-Chef Helmut Draxler, Mark Eckhout (ehemals Mobiltel in Bulgarien) und Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach für den Aufsichtsrat nominiert und die Abwahl von Erhard Schaschl und Kurt Waniek - gegen Widerstand des Streubesitzes - durchgesetzt hätten.

Aufsichtsrats-Austausch könnte verordnet werden

In einer Stellungnahme an die Übernahmekommission hat die MS Privatstiftung im Laufe der Untersuchung übrigens versichert, mit Gorbach und anderen neu bestellten RHI-Aufsichtsratsmitgliedern keine wie immer geartete Verbindung zu unterhalten und auch deren Bestellung - mit Ausnahme jener Cordts (war bereits beim Mobiltel-Deal in Bulgarien mit an Bord) - nicht zu tun zu haben.

Selbiges soll auch für die Vorstandserweiterung von zwei auf fünf Mandate und die Bestellung des neuen Finanzvorstands, Stefano Colombo (war beim Mobiltel-Kauf Finanzchef der Telekom Austria, Anm.) gelten, die dem Machtwechsel im Aufsichtsrat unmittelbar folgten. Als maximale Konsequenz aus der Runderneuerung des Kontrollgremiums beim Hersteller von Feuerfestprodukten erwarten Insider, dass die Übernahmekommission MS Privatstiftung und Winterstein zum Ersatz "ihrer" Vertrauensleute im Aufsichtsrat durch unabhängige Kandidaten vergattere oder das teilweise Ruhen ihrer Stimmrechte verordnet. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

  • Hat auch ohne Pflichtangebot viel zu sagen bei RHI: Investor Martin Schlaff.
    foto: standard/cremer

    Hat auch ohne Pflichtangebot viel zu sagen bei RHI: Investor Martin Schlaff.

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