Air France KLM in Anflugschneise

13. Februar 2008, 15:07
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In Rom begannen die exklusiven Verhandlungen zwischen der Regierung Prodi mit Air France KLM

Rom - In Rom haben die exklusiven Verhandlungen zwischen der Regierung Prodi mit Air France KLM für den Verkauf des 49,9-prozentigen noch staatlichen Anteils an der Alitalia begonnen. Air France-Chef Jean Cyril Spinetta will die Bilanzbücher der schwer verschuldeten Alitalia genau unter die Lupe nehmen. Spinetta will auch die Manager und Gewerkschaften von Alitalia treffen.

Die Gewerkschaften stemmen sich gegen die Übernahme von Alitalia durch Air France KLM. "Alitalia Ausländern zu überlassen, ist ein enormes Risiko, nicht nur für unser Prestige, sondern auch für unsere Wirtschaft, die sich stark auf Tourismus stützt. Alle großen Länder haben lokale Fluggesellschaften", sagte der Chef des Gewerkschaftsverbands CISL, Raffaele Bonanni.

Drohende Proteste

Auch norditalienische Unternehmer und Regionalpolitiker drohen mit Protesten, sollte die Regierung Alitalia an Air France KLM verkaufen. Sie sehen den Verkauf der Airline an die Franzosen als Verrat an den Interessen Norditaliens, dem wirtschaftlichen Motor des Landes. Obwohl von dort zwei Drittel der internationalen Flugreisenden kommen, würde der Mailänder Flughafen Malpensa den Großteil seiner interkontinentalen Flüge verlieren, sollte die Regierung ihren Anteil an Alitalia an Air France KLM verkaufen, warnte der Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni.

Die Sache mit den Drehkreuzen

Laut dem Sanierungsplan von Air France KLM soll der Mailänder Großflughafen nicht mehr neben Rom-Fiumicino als zweites nationales Drehkreuz dienen. Air France, die mit Paris-Charles de Gaulle und Amsterdam-Schiphol schon zwei Drehkreuze hat, will die Rolle Malpensas im internationalen und interkontinentalen Verkehr deutlich zurückstufen und Rom dafür zu ihrem dritten Luftfahrtdrehkreuz aufwerten.

Für Alitalia und dessen Chef Maurizio Prati steht dagegen schon lange fest, dass sich die italienische Linie nicht die zwei Drehkreuze Rom und Mailand leisten kann. Für Prati ist der gescheiterte Versuch, aus Mailand-Malpensa ein Drehkreuz zu machen, einer der wichtigsten Gründe für den Niedergang von Alitalia. Schon ab Mitte Jänner sollen mehrere interkontinentale Alitalia-Flüge von Mailand auf Rom verlegt werden. (APA)

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