Experte will "keinen Klimakommunismus einführen"

1. Jänner 2008, 12:00
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Hans Joachim Schellnhuber plädiert für globalen Handel mit Emissionsrechten, wovon vor allem Afrika profitieren würde

Berlin - Der Klima-Berater der deutschen Regierung und Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, hat für eine weltweite Deckelung des Ausstoßes an Treibhausgasen plädiert.

Er sprach sich dezitiert für einen globalen Handel mit Emissionsrechten aus. Die "einzig langfristig ethisch vertretbare Option" würde die Zuteilung entsprechend großer Kontingente je nach Bevölkerungsgröße sein. Damit die Belastung der Atmosphäre durch klimaschädliche Treibhausgase ausreichend sinkt, dürften etwa im Jahr 2050 auf jeden Menschen durchschnittlich nur noch maximal zwei Tonnen Kohlendioxid (CO2) entfallen, wie Wissenschaftler errechnet haben.

"Gewinnen würde Afrika"

Dies sei global "natürlich so nicht zu realisieren, wir können ja keinen Klimakommunismus einführen", führte Schellnhuber angesichts unterschiedlicher Emissionsniveaus in Industrie- und Entwicklungsländern aus. Hier komme das marktwirtschaftliche Prinzip des Emissionshandels ins Spiel: CO2 in die Luft blasen dürfe nur, wer entsprechende Zertifikate habe. Wer mehr Klimagase ausstößt als vorgesehen, muss Verschmutzungsrechte von denen kaufen, die weniger emittieren als erlaubt - und so Geld mit Klimaschutz verdienen können.

"Gewinnen würde Afrika", sagt Schellnhuber mit Blick auf die geringen Treibhausgasemissionen des Kontinents: "Die Länder Afrikas könnten von ihrer langsameren Entwicklung profitieren."

Weltweit erhöhte Sensibilität

Generell habe sich 2007 "weltweit eine Wende" für die Wahrnehmung der Klimaproblematik gebracht, zeigte sich Schellnhuber überzeugt. Umfragen seiner Kollegen an der britischen Universität Oxford in mehr als 40 Ländern hätten gezeigt, dass zwischen dem letzten Halbjahr 2006 und den ersten sechs Monaten 2007 die Aufmerksamkeit für den Klimawandel um 50 bis 80 Prozent gestiegen sei. "Das ist verblüffend", sagt der PIK-Chef. Diese erhöhte Sensibilität gelte nicht nur für "klassische Länder, wo man das erwarten würde, wie Großbritannien oder Deutschland", sondern überall - "unabhängig, ob es sich um Industrie-, Entwicklungs- oder Schwellenländer handelt". (APA)

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    Nach der Klimakonferenz auf Bali im Dezember stehe die Welt nun vor großen Anstrengungen: "Klar, dass einige Länder da Fracksausen bekommen, das sind echte Kraftakte", meint Hans Joachim Schellnhuber.

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