Kanada: Lottobetrug in Millionenhöhe

1. Jänner 2008, 16:49
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Kanadischer Loshändler ergaunerte sich Gewinne der Spieler

Vancouver - Seit Weihnachten strahlen vier Angestellte einer katholischen Schule in der kanadischen Stadt Toronto. Sie haben überraschend umgerechnet vier Millionen Euro erhalten, die sie beinahe verpasst hätten. Um diesen Lotteriegewinn hatte sie nämlich vorübergehend ein schlauer Ladeninhaber gebracht. Jetzt hat ihn die Polizei verhaftet.

Die vier Schulangestellten, drei Frauen und ein Mann, kaufen seit Jahren zusammen die Lottoscheine und setzen immer auf die selbe Nummer. Als Lorraine Teicht den Schein im Juni 2004 in ein Tankstellengeschäft zum Verifizieren der Nummer brachte, beschied ihr der 60-jährige Inhaber Hafiz Malik: Sorry, kein Gewinn. Heimlich, so wirft ihm die Polizei heute vor, habe er aber den Schein zurückbehalten und den Gewinn später einzogen.

Die vier Geprellten entdeckten im Internet, dass ihre Zahlen den großen Preis gewonnen hatten. Zunächst richtete sich der Verdacht gegen Lorraine Teicht. Ihre drei Mitspieler heuerten einen Privatdetektiv an, aber es gab keine Verdachtsmomente.

Malik dagegen führte plötzlich einen luxuriösen Lebensstil in seinem neuen, großen Haus in einem guten Viertel Torontos. Lorraine Teicht und ihre Mitspieler benachrichtigten die Lotteriegesellschaft von Ontario, die wiederum die Polizei einschaltete. Diese hat nun Maliks Villa, seine Bankkonten und drei Autos im Wert von insgesamt 3,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Die rechtmäßigen Gewinner erhielten endlich ihren Millionenscheck samt Zinsen.

Der Verhaftung des mutmaßlichen Betrügers dürften bald weitere Fälle folgen. Die mangelnde Überwachungspraxis der kanadischen Lottoindustrie wurde in zwei Untersuchungsberichten heftig kritisiert. So hat der Ombudsmann von Ontario herausgefunden, dass eine überproportionale Anzahl von Ladeninhabern mit Lottostellen oder deren Familienmitglieder in den vergangenen Jahren riesige Beträge gewannen. Der Glücksspielindustrie gehe es mehr um den Profit als um die Rechtmäßigkeit der Gewinne, klagte der Ombudsmann. (Bernadette Calonego, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Dezember 2007)

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