Küttel nimmt Morgenstern den Druck

22. Jänner 2008, 16:34
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Thomas Morgenstern ließ es bei sechs Siegen in Serie bewenden - Im zweiten Engelberger Springen musste sich der Kärntner erstmals in dieser Saison geschlagen geben

Engelberg - "Ich bin zufrieden mit dem dritten Platz, ich weiß aber auch, dass ich noch Reserven habe." Das Thema des Tages beim zweiten Weltcupspringen in Engelberg war für Thomas Morgenstern schnell keines mehr. Der 21-jährige Kärntner verpasste nach seinem Sieg in der ersten Konkurrenz am Sonntag den siebenten Erfolg en suite und muss sich den Rekord an Saison-Triumphen am Stück vorderhand mit den Finnen Janne Ahonen und Matti Hautamäki teilen.

"Ich werde mich auf die Vierschanzentournee vorbereiten und versuchen, dort eine neue Serie zu starten. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf Weihnachten mit der Familie. Dass die Serie zu Ende ist, nimmt mir etwas vom großen Druck weg", sagte der Weltcupführende dann auch noch.

Das Ende der Serie hatte sich ganz leise schon am Samstag angekündigt, als Morgenstern als Dritter des ersten Durchganges 4,1 Punkte auf den führenden Teamkollegen Andreas Kofler aufzuholen hatte, um diesen dann noch um sechs Punkte abzufangen.

Und auch am Sonntag hätte eigentlich Kofler gewinnen müssen, doch der 23-jährige Innsbrucker vermochte, erneut in Führung liegend, seinen abschließenden Satz auf an diesem Wochenende unerreichte 139 Meter nicht zu stehen. Platz fünf in der Endwertung beweinte er heftig, Morgenstern spendete Trost. "Ich habe probiert, den Andi aufzumuntern. Er darf sich nicht fertig machen. Er war heute der beste Mann und hat zwei super Sprünge gezeigt."

Schweizer Premiere

Unterdessen posierte Andreas Küttel im Auslauf. Der 28-Jährige bejubelte vor eigenem Publikum seinen insgesamt fünften Weltcupsieg. 28 Jahre alt ist auch die Große Titlisschanze in Schweizer Engelberg. Und Küttel ist der erste Schweizer, der auf ihr gewinnen konnte.

Hinter dem Routinier aus Einsiedeln drängten sich die Österreicher. Gregor Schlierenzauer ließ dem vierten Platz vom Samstag Rang zwei folgen, zwischen ihm und dem unglücklichen Kofler rangierten Morgenstern und Wolfgang Loitzl, der am Samstag Fünfter gewesen war.

Manuel Fettner (7.) und Martin Koch (8.) komplettierten das erneut überwältigende, aber eben ungekrönte Mannschaftsergebnis. Dementsprechend zufrieden war Cheftrainer Alexander Pointner, der aber anmerken musste, dass "wir auch heute wieder den besten Springer in unseren Reihen hatten, aber leider trotzdem nicht gewinnen konnten". Der Sturz von Kofler tat ihm "persönlich sehr leid. Er ist der sentimentale Sieger. Er weiß, dass er allen um die Ohren gesprungen ist und sollte das für die Tournee mitnehmen."

Zur Vierschanzentournee, die am 30. Dezember in Oberstdorf anhebt, nimmt Pointner jenes Septett mit, das in Engelberg dabei war, also auch den jungen Arthur Pauli, der mit den Rängen 17 und 28 doch ein wenig abfiel.

"Ich freue mich, mit der besten aller Mannschaften zur Tournee fahren zu dürfen", sagte Pointner, für den das Ende der Siegesserie von Morgenstern übrigens genau zum "richtigen Zeitpunkt gekommen ist. Bei einem solchen Ausgang lernt jeder zu schätzen, was Siege wert sind."

Für die Tournee, also die Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen (1. 1.), Innsbruck (4. 1.) und Bischofshofen (6. 1.), ist auch wieder mit den in der Schweiz dezenten Spezialisten Ahonen und Adam Malysz zu rechnen. Der norwegische Titelverteidiger Anders Jacobsen ist nicht rasend in Form, dafür könnten die sechsten Plätze von Michael Neumayer und Michael Uhrmann in Engelberg die deutschen Fans aus der Reserve locken. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 24. Dezember 2007, APA, lü)

Team für die 56. Vierschanzen-Tournee (30. Dezember bis 6. Jänner):

Thomas Morgenstern, Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler, Wolfgang Loitzl, Martin Koch, Manuel Fettner, Arthur Pauli

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    Andreas Küttel feierte vor heimischen Publikum.

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