Auch Merrill Lynch hofft auf Geldspritze aus China

14. Jänner 2008, 14:36
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Immer mehr US-Investmentbanken kommen durch die Subprime-Krise in finanzielle Not und werden von asiatischen Fonds aufgefangen

New York/Frankfurt/Wien – Die Staatsfonds aus Asien sind derzeit gern gesehene Gäste bei den von der US-Subprime-Krise arg gebeutelten Investmentbanken. Jetzt will sich auch Merrill Lynch eine milliardenschwere Geldspritze von einem asiatischen Staatsfonds holen.

Laut einem Bericht des Wall Street Journal könnte die staatliche Anlagegesellschaft Temasek Holdings aus Singapur bis zu fünf Milliarden Dollar (3,5 Mrd. Euro) in die US-Bank pumpen. Die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, heißt es. Der Temasek-Verwaltungsrat habe dem Geschäft bereits seine vorläufig Zustimmung erteilt. Die Höhe der Finanzspritze ebenso wie ihr Zeitpunkt und aufsichtsrechtliche Fragen seien noch zu verhandeln.

Massive Verluste

Merrill Lynch drohen im Zuge der US-Hypothekenkrise weitere massive Belastungen. Konzernchef Stan O'Neal hatte vergangenen Monat seinen Hut nehmen müssen, nachdem das größte US-Brokerhaus im dritten Quartal bereits 8,4 Mrd. Dollar abschreiben musste. In der Folge fuhr es den größten Verlust der Firmengeschichte ein.

Morgan Stanley hat sich angesichts von Milliardenverlusten bereits eine Geldspritze aus China geholt: Der aus den riesigen Devisenreserven des Landes gespeiste Staatsfonds CIC erwirbt für fünf Mrd. Dollar knapp zehn Prozent an dem Institut. Die Investmentbank Bear Stearns vereinbarte mit der chinesischen Bank Citic eine Beteiligung für eine Milliarde Dollar. Bei der Schweizer Großbank UBS, die den ersten Verlust ihrer Geschichte einfährt, stieg der Staatsfonds GIC aus Singapur ein.

EZB hilft erneut

Zur Stärkung des Finanzmarktes und weil die Banken untereinander kaum noch Geld borgen, weil noch immer nicht klar ist, bei welchem Institut noch Abschreibungen drohen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag erneut geholfen und den Geschäftsbanken der Eurozone im Rahmen der konzertierten Aktion westlicher Notenbanken erneut zehn Mrd. Dollar (6,95 Mrd. Euro) zur Verfügung gestellt.

Weitere finanzielle Hilfe hat auch die schwer angeschlagene deutsche Mittelstandsbank IKB nötig. "Die IKB befindet sich weiter in einer fragilen finanziellen Lage", erklärten Analysten von Fitch. Die IKB war im Sommer wegen Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geraten und musste von der KfW und anderen deutschen Instituten gestützt werden. Die Verluste der IKB werden die Bilanz der Muttergesellschaft KfW noch bis 2017 belasten, berichtet Der Spiegel.

Schlag für Stabilität

Die Krise am US-Hypothekenmarkt und ihre Folgen werden dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge das Wachstum in Europa und den USA beeinträchtigen. Der finanziellen Stabilität sei ein Schlag versetzt worden, sagte Dominique Strauss-Kahn, Direktor des IWF. Zwar gebe es noch keinen massiven Wachstumsrückgang, es gebe aber bereits merkliche Folgen. Zudem bleibe immer noch Unsicherheit, sagte Strauss-Kahn: "Falls morgen einige große Banken Dinge bekanntgeben, von denen wir noch nichts wissen, wird es eine andere Einschätzung der Lage geben."

Dass die Kreditkrise schnell überwunden werden kann, daran zweifelt der IWF jedoch. Es sei möglich, dass die Konjunktur Ende 2008 wieder anziehe, "wenn schließlich alle Konten bereinigt sind und das Vertrauen zurückkehrt". Er sei aber "nicht besonders optimistisch mit Blick auf die zweite Jahreshälfte", so der IWF-Chef. Vielen Ländern werde es schwerfallen, 2008 ihre Wachstumsvorhersagen zu erreichen. Es sei klar, dass die Weltkonjunktur durch die Finanzkrise angegriffen werde. Das Wachstum werde schwächer ausfallen, auch wenn die Folgen "nicht notwendigerweise katastrophal sein werden". (Reuters, dpa, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.12.2007)

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    Die US-Investmentbank will sich nun auch Hilfe aus China holen. Ein Staatsfonds soll die Kapitalbasis stützen.

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