Best of Science 2007

2. Jänner 2008, 15:26
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Die Magazine "Nature" und "Science" über die Höhepunkte des Wissenschaftsjahres - "Science" kürt Entdeckung genetischer Unterschiede des Menschen

London/Washington - Geht das Jahr dem Ende zu, beginnt die Zeit der Bestenlisten: je nach Zeitschrift werden da die wichtigsten Personen des Jahres weltweit in eine meist umstrittene Reihenfolge gebracht, oder die besten Manager des Landes. Oder die Bösesten Österreichs.

Daran können auch Nature und Science, die beiden wichtigsten Wissenschaftsjournale, nicht vorbei. Die britische Zeitschrift Nature machte Mittwoch Abend den Anfang und führte dazu gleich eine neue Kategorie ein: den wissenschaftlichen Nachrichtenmacher des Jahres. Die Auszeichnung ging nicht ganz überraschend an den Chef des UN-Klimarats IPCC, den indischen Ökonomen Rajendra Pachauri, der es damit auch auf das Nature-Cover schaffte.

Damit gaben sich die Briten aber nicht zufrieden und wählten auch noch die "Methode des Jahres": nämlich die nächste Generation des Gen-Sequenzierens.

War zur Entschlüsselung eines einzigen menschlichen Genoms Ende des vergangenen Jahrhunderts noch ein vieljähriges, millionenschweres internationales Riesenprojekt nötig, so machen das die neuen Sequenzierer nicht nur viel billiger und flotter. Sie bieten auch eine ganze Reihe von neuen Analysemöglichkeiten.

Das US-Magazin Science zieht in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe mit den zehn wichtigsten Leistungen des Jahres 2007 nach - und knüpft genau da an.

Für die Science-Jury ist nämlich die (durch solche Sequenzierer möglich gewordene) Entdeckung der genetischen Unterschiede des Menschen der herausragende Durchbruch des vergangenen Jahres.

Große Abweichungen

Hat man in den vergangenen Jahren vor allem davon gehört, wie wenig wir Menschen uns genetisch von den Primaten unterscheiden, so zeigen die Analysen der so genannten Einzelnukleotidpolymorphismen (das sind kleinste Abweichungen in der Erbsubstanz auf Ebene der Basenpaare, kurz: SNP, ausgesprochen Snip), dass es zwischen den Menschen beträchtliche genetische Unterschiede gibt.

Diese Variationen waren Ansatzpunkte für rund ein Dutzend wissenschaftlicher Projekte, bei denen Forscher die DNA von tausenden Personen mit und ohne Krankheiten darauf untersuchten, welche dieser minimalen Abweichungen zu Erkrankungen wie Brustkrebs, Diabetes oder Multiple Sklerose führen.

Knapp dahinter folgt in der Science-Bestenliste die neue Technik zur "Reprogrammierung" von Hautzellen in so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), die alle Eigenschaften von embryonalen Stammzellen aufweisen. Die bereits im Vorjahr vom japanischen Stammzellforscher Shinya Yamanaka entwickelte Methode feierte 2007 den großen Durchbruch.

Nachdem Forschern im Juni der Trick bei Mäusen gelungen war, schafften sie es im November mit menschlichen Hautzellen. Die Methode verspricht nicht nur eine Entschärfung der Diskussion um embryonale Stammzellen. "Sie wird auch völlig neue Wege zum Testen von Wirkstoffen ermöglichen", prophezeit Konrad Hochedlinger im Gespräch mit dem Standard. Der 32-jährige gebürtige Österreicher forscht in Harvard an Stammzellen und war an einer der einschlägigen iPS-Publikationen maßgeblich beteiligt.

Science wagt aber auch einen Ausblick auf das kommende Jahr, in dem unter anderem auf künstlich herstellte Mikroben, Mikro-RNA, das Genom des Neandertalers und Daten des Large Hadron Colliders aufzupassen sein werde. Wir werden die Augen offenhalten!

>>> Science: Die zehn wichtigsten Durchbrüche 2007

Science: Die zehn wichtigsten Durchbrüche 2007

1. Die Sequenzierung der Genome verschiedener Menschen und die Erforschung von SNPs bei der Rolle von verschiedenen Krankheiten.

2. Die Methode zur Herstellung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), die das ethische Problem der embryonalen Stammzellen lösen könnte.

3. Die Erforschung von kosmischen Strahlen, die womöglich aus aktiven galaktischen Kernen stammen und auf unsere Atmosphäre auftreffen.

4. Die Bestimmung des menschlichen Beta2-Adrenalin-Rezeptors. Forscher erwarten sich dadurch unter anderem bessere Antihistamine oder Betablocker.

5. Fortschritte bei der Entwicklung von Metalloxiden, die Silizium als Träger von elektronischen Bauteilen ablösen könnten.

6. Die Bestätigung des Hall-Effekts in der Quantenphysik, der beschreibt, wie seltsam sich Elektronen beim Durchgang durch bestimmte Materialien in elektrischen Feldern verhalten.

7. Neue Erkenntnisse über T-Zellen, die zu neuen Impfungen gegen Viren und Tumoren führen könnten.

8. Neue Techniken zur kostengünstigeren und effizienteren Herstellung von pharmazeutischen und elektronischen Komponenten.

9. Studien über das Erinnerungsvermögen bei Menschen und Ratten, die zeigen, dass der Hippocampus dabei eine wichtige Rolle spielt.

10. Die Programmierung einer Software, die einen Computer beim Dame-Spiel unbesiegbar macht. Nur ein Unentschieden ist ohne Fehler möglich.

(Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. Dezember 2007)

  • Sowohl bei "Science" als auch bei "Nature"
ganz oben auf der Bestenliste: neue Sequenzierer
und DNA-Unterschiede.
    foto: science

    Sowohl bei "Science" als auch bei "Nature" ganz oben auf der Bestenliste: neue Sequenzierer und DNA-Unterschiede.

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