China hilft Morgan Stanley

14. Jänner 2008, 14:36
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Die US-Investmentbank Morgan Stanley ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Nun hilft den Amerikanern eine Ka­pitalspritze – aus China

Die US-Investmentbank Morgan Stanley ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust fiel mit 3,59 Milliarden Dollar zehnmal so hoch aus, wie von Analysten erwartet. Nun hilft den Amerikanern eine Kapitalspritze – aus China. EZB-Chef Jean-Claude Trichet erwartet weiteres Ungemach.

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New York/Frankfurt/Wien – Die Turbulenzen an den Kreditmärkten haben der zweitgrößten US-Investmentbank Morgan Stanley unerwartet große Verluste eingebrockt: Das Institut musste insgesamt Abschreibungen von 9,4 Milliarden Dollar vornehmen und verbuchte deshalb im vierten Quartal einen Verlust von 3,59 Milliarden Dollar. Das Minus fiel damit fast zehnmal so hoch aus wie von Börsianern erwartet – vor einem Jahr verdiente das Institut im gleichen Zeitraum noch knapp zwei Milliarden Dollar.

Um die Kapitalbasis zu stärken, hat sich Morgan Stanley mit dem chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation auf eine langfristige Kapitalbeteiligung geeinigt. Der Fonds beteiligt sich mit fünf Mrd. Dollar (3,47 Mrd. Euro) an der Bank, der Anteil soll sich aber auf höchstens 9,9 Prozent belaufen, eine Rolle in der Führung der Bank werde China nicht erhalten.

Ende November hatte bereits das Emirat Abu Dhabi der Citigroup 7,5 Milliarden Dollar zugeschossen, die ebenfalls mit drastischen Abschreibungen zu kämpfen hat.

Trotz der anhaltenden "bad news" durchlaufen die Finanzmärkte nach Ansicht von Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), derzeit keine schwere Krise, sondern befinden sich lediglich in Turbulenzen. Die Notenbanken hätten bisher angemessen auf die Kreditklemme reagiert, sagte Strauss-Kahn. Zwar habe es in den vergangenen Wochen immer wieder Auf- und Abschwünge gegeben, weil die Märkte wohl weitere Maßnahmen von den Zentralbanken erwartet hätten. "Doch bis jetzt ist die Krise gut gemanagt worden", hält der IWF-Chef fest.

Anders sieht das EZB-Chef Jean-Claude Trichet, nach seiner Auffassung drohen in der weltweiten Finanzmarktkrise noch weitere unangenehme Überraschungen. "Zu jeder Zeit können Risiken auftauchen", sagte Trichet am Mittwoch vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments.

Die EZB hat am Mittwoch nach der Liquiditätsspritze vom Dienstag rund 133,6 Mrd. Euro überschüssige Liquidität aus dem Bankensystem gezogen. Damit soll verhindert werden, dass die tagesaktuellen Zinsen wegen zu hoher Liquidität in den Keller fallen. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2007)

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    "Augen zu und durch" geht bei der Finanzkrise nicht auf. EZB-Chef Jean-Claude Trichet befürchtet noch "unangenehme Überraschungen".

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