Und wieder Morgenstern

3. Jänner 2008, 16:34
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Der Doppel-Olympia­sieger gewinnt auch zweites Springen in Villach vor Gregor Schlierenzauer und Dauerbrenner Ahonen

Villach - Thomas Morgenstern sorgt im Springer-Weltcup weiter für Superlative: Der Kärntner feierte auf seiner Heimschanze in Villach einen Doppelsieg und sorgte damit für einen Rekord: Siege in den ersten fünf Bewerben waren in den 28 Weltcup-Saisonen zuvor noch keinem Athleten gelungen. In der zweiten Konkurrenz am Freitag machte es Morgenstern zunächst spannend. Nach dem ersten Durchgang ex aequo mit dem Schweizer Andreas Küttel voran, setzte sich der Doppel-Olympiasieger schließlich doch klar vor seinem Teamkollegen Gregor Schlierenzauer (6,0 Punkte zurück) und Janne Ahonen (11,0) durch.

Heimschanze

Vor der tollen Kulisse von 10.000 Fans in der ausverkauften Alpenarena, wo er vor zwölf Jahren als junger "Hupfer" mit einer Fahne den Auslauf hinuntergefahren war und die Stars bewundert hatte, bewies Morgenstern enorme Nervenstärke. Und ballte nach dem insgesamt siebenten Weltcupsieg die Faust. "Wahnsinn! Jetzt habe ich schon fünf Siege und es ist noch immer ein supergeiles Gefühl."

Nächstes Ziel von Morgenstern ist nun die Allzeit-Bestmarke von sechs Erfolgen in Serie. Fünf - allerdings nicht in den ersten Bewerben - haben vor ihm auch schon Andreas Goldberger, Adam Malysz und Sven Hannawald erreicht, den absoluten Rekord halten die Finnen Janne Ahonen und Matti Hautamäki seit der Saison 2004/05.

Nächsten Samstag könnte der Bursche aus Lieserbrücke in Engelberg (Schweiz) diese Bestmarke egalisieren. "Diese Schanze taugt mir ebenfalls, jetzt versuche ich da weiterzumachen", sagte der Athlet vom SV Villach. Schon jetzt steht angesichts von 201 Punkten Vorsprung fest, dass er als Weltcup-Spitzenreiter zur Vierschanzen-Tournee anreisen wird.

Sturz von Küttel

Küttel hatte im ersten Durchgang mit 97,0 m die Bestweite vorgelegt, Morgenstern zog mit 95,0 m nach Punkten gleich. Im Finale ging Küttel bei 86,5 m die Bindung auf, er hätte aber nicht um den Sieg mitmischen können. Schlierenzauer führte und Morgenstern zog unter dem Jubel der Fans erneut voll durch, begnügte sich bei erneut 95,0 m mit einer sicheren Landung. Und er wusste seine Leistung einzuschätzen. "Das ist kein Wunschkonzert, der erste Durchgang war sehr schwierig." Danach genoss er die Ovationen, umarmte Manager Edi Federer, küsste Freundin Christina.

Die aktuelle Überlegenheit Morgensterns verblüfft, doch sie lähmt seine Teamkollegen keineswegs. Dafür sorgt das Betreuerteam um Cheftrainer Alexander Pointner. "Es könnte passieren, dass die anderen daran zerbrechen, wenn man etwas falsch macht, so wie es früher bei Andreas Goldberger geschehen ist. Aber jetzt gibt es einen Unterschied", erklärte Pointner. Podestplätze von Gregor Schlierenzauer (3), Andreas Kofler und Wolfgang Loitzl sind Beweis für die perfekte Arbeit. Am Freitag gelang neben dem zweiten ÖSV-Doppelsieg der Saison auch Loitzl und Kofler im Finale eine Steigerung von zehn auf vier bzw. von 14 auf 7. Damit landeten vier Österreicher in den Top sieben.

Morgenstern selbst sieht sich in dem Einzelsport Skispringen durchaus als Team-Player. "Ich glaube, dass ich viele mitziehen kann", erklärte der "Überflieger" und sagt, dass er selbst von der internen Konkurrenzsituation profitiert hat. "Nach dem Olympiasieg habe ich mich vielleicht zu viel zurückgelehnt - bis Schlierenzauer kam. Das war ein wichtiger Punkt in meiner Karriere, dass einer kommt und jedem davonspringt."

Der Maturant wurde dadurch angestachelt, denn er ist einer, der selbst immer gewinnen will. Egal ob im Wettkampf, bei einem Computerspiel oder einem 60-m-Lauf. Jetzt nimmt er die nächsten Bewerbe aus einer Position der Stärke in Angriff. "Meine zwei Ziele für Villach habe ich erreicht, das ist ein Traum. Jetzt muss ich fast ein Zwischenziel einschieben", erklärte Morgenstern schelmisch. Die Vierschanzen-Tournee ist ein solches lohnendes vor dem Griff nach der Weltcup-Trophäe. (APA)

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