Post baut 1600 Beschäftigte ab

30. Jänner 2008, 10:59
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Nach dem Wegfall ihrer Großkunden muss die Post leisertreten. Bis 2011 müssen rund 1600 Beschäftigte mit einem blauen Brief rechnen

Nach dem Versiegen ihrer Paketquellen Quelle-, Otto- und Universalversand muss die Post leisertreten. Laut Post-General Anton Wais müssen bis Ende 2011 rund 1600 Beschäftigte mit einem blauen Brief rechnen. Etwa die Hälfte davon bereits im ersten Halbjahr nach Weihnachten.

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Wien – Das Sparpaket der Post ist nicht ganz so "light", wie es während der dreiwöchigen Verhandlungen ausgesehen hatte, aber auch nicht so scharf, wie es sich manche Investoren erhofft hatten: In den nächsten vier Jahren wird der Monopolist für Briefe bis 50 Gramm die Zahl seiner Beschäftigten um insgesamt 1600 reduzieren. Das hat der Post-Aufsichtsrat am Mittwoch beschlossen.

In der vom Verlust der Großkunden Otto/Universalversand und Quelle besonders betroffenen Sparte Paket und Logistik wird der gelbe Riese um 360 so genannte Vollzeitäquivalente reduzieren. Auf "Köpfe" umgerechnet sind es rund 450 bis 500 Paketzusteller und -verteiler, die ihre Arbeitsplätze in sieben so genannten Zustellbasen verlieren – oder im Idealfall in die Briefzustellung wechseln. Hinzu kommen rund 400 Beschäftigte, die das Unternehmen jährlich verlassen (natürliche Fluktuation) und deren Posten nicht nachbesetzt werden. Diese Nicht-Nachbesetzungen gehören zum laufenden Rationalisierungskurs, den die Post seit dem Börsengang fährt.

Abstand genommen hat die Post von der kolportierten Schließung eines der sieben großen Verteilzentren. Da die Quelle ihre Pakete nie über das Verteilzentrum Linz abgewickelt hat, sondern über ihr eigenes Hauspostamt, ist das am wenigsten moderne Verteilzentrum in der oberösterreichischen Landeshauptstadt am weniger betroffen, als befürchtet. Dafür sind in Graz, der Basis der Otto-Group in Österreich, größere Einschnitte unvermeidbar: Das mit zwei Etagen ohnehin ungünstige Paketzentrum Graz (beim Bahnhof) wird geschlossen, die Dienste übernimmt das modernere Paketverteilzentrum Kalsdorf. Die sieben Zustellbasen sind Wörgl, Vitis, Steyr-Dietach, Großwilfersdorf, Fohnsdorf, Liezen und St. Georgen.

Da Einsparungen allein nicht ausreichen, um den Ausfall der Großkunden zu kompensieren, braucht die Post Neukunden. Wais, der sich als "Jäger des verlorenen Schatzes" sieht, will neuerdings "24-Stunden-Businesspakete" anbieten und die Einlieferungszeitpunkte für Geschäftspakete von 19 auf 1 Uhr ausdehnen. Darüber hinaus soll es eine Mehrfach- und Samstagzustellung geben. Bei weiteren Zustellversuchen erfolgt die Terminvereinbarung mit den Empfängern über ein Call-Center und eine elektronische Benachrichtigung der Paketzusteller.

Finden soll die neuen Kunden ein fünftes Vorstandsmitglied, das seit dem Sommer informell und seit Mittwoch offiziell über einen Personalberater gesucht wird. Die Genehmigung dafür hat Post-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis am Mittwoch endlich erhalten, nachdem dies die Personalvertreter bisher vereitelt hatten. Der oder die Neue soll, wie der Standard bereits Ende August exklusiv berichtete, die Division Paket & Logistik führen. Nicht inkludiert in dem nun in groben Zügen vorliegenden Maßnahmenpaket gegen den Verlust der großen Paketquellen: Vorsorgen für die Liberalisierung des Briefmarkts ab 2011. „Die Veränderungen wegen des Universaldiensts sind nicht inkludiert“, bestätigte Wais auf Anfrage des STANDARD. Das könne erst erfolgen, wenn klar sei, wie die Republik die flächendeckende Versorgung mit Postdiensten sicherstellen wolle.

In der Bilanz 2007 soll das Großkundendebakel übrigens keine Blutspur hinterlassen: Das Betriebsergebnis (Ebit) im Jahr 2008 soll sowohl in der Division Paket & Logistik als auch im Paketgeschäft Österreich positiv sein. Mittelfristig soll die Ebit-Marge des gelben Riesen sieben bis acht Prozent betragen und bei der Division Paket & Logistik wenigstens fünf Prozent, teilte Wais mit. Das Konzernergebnis werde 2008 nur knapp unter dem Vorjahr liegen, danach soll es wieder steigen. Die Zahl der Vollzeitkräfte im Konzern soll 2008 von 23.100 auf 22.700 sinken. Die zuletzt gewonnen oder verlängerten Kundenbeziehungen zu La Redoute und A&M seien ein Zeichen, dass man konkurrenzfähig sei.

Die Post-Gewerkschaft zeigte sich vom Sparpaket irritiert. Sie hatte dagegen gestimmt wie auch gegen die Aufstockung des Vorstands. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2007)

  • Die Post bringt allen was: 360 Beschäftigte weniger, aber dafür um ein Vorstandsmitglied mehr – das "schenkt" sich die Post zu Weihnachten.
    montage: standard/beigelbeck

    Die Post bringt allen was: 360 Beschäftigte weniger, aber dafür um ein Vorstandsmitglied mehr – das "schenkt" sich die Post zu Weihnachten.

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