"lebens.art": Bitte warten auf die Beiträge

29. Februar 2008, 20:59
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Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie kostbar Zeit sein kann, muss man nicht stundenlang vor dem Fernseher sitzen ...

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie kostbar Zeit sein kann, muss man nicht stundenlang vor dem Fernseher sitzen. Kann man aber, weil, wenn man sich etwa beim ORF-Kulturmagazin "lebens.art" zuschaltet, es dabei behilflich ist, ein Gefühl für Dauer zu entwickeln.

Das Warten auf den jeweils nächsten Beitrag am Montagabend spiegelte das auf beeindruckende Weise wider: Nachdem zu erfahren war, dass Anna Netrebko demnächst in Live-Übertragung in heimischen Multiplex-Kinos singen darf, was deren Betreiber für gut, Ioan Holender aber schlicht und richtig für "albern" befand, folgte das mit Spannung erwartete Interview mit Peter Handke, das sich dann allerdings weniger als Gespräch denn als Abfolge von Stichwörtern mit entsprechenden freien Antworten entpuppte. Dennoch: Was Handke mit nur wenigen Worten über Frechheit oder Provokation sagte und wie er mit "unzulässigen" Entgegnungen Verwirrung stiftete, damit hätte man ganze Sendungen füllen können.

Doch die Uhr tickte, denn der Beitrag über eine der unnötigsten deutschen Komödien des Jahres, vertrieben von derselben Kinokette, die Netrebko zum Singen bringt, wartete schon.

Wie lange manche Dinge dauern, war am Schluss zu sehen: Ennio Morricones Gastspiel in Wien ist es zu verdanken, dass wieder einmal die Männer mit den Staubmänteln am Bahnsteig warteten, während sich die Fliege im Pistolenlauf von Jack Elam verirrte. Letzte kostbare Lebenszeit, hier als gezählte Sekunden für die Ewigkeit. (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 12.12.2007)

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    foto: orf/badzic
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