Renault steigt bei Russen ein

1. Jänner 2008, 19:05
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Die Franzosen übernehmen 25 Prozent und eine Aktie am Lada-Hersteller - Renault setzte sich gegen GM, Fiat und Magna durch

Paris/Moskau - Der französische Autokonzern Renault steigt beim größten russischen Autobauer AvtoVaz ein. Die Franzosen übernehmen ein Anteilspaket von 25 Prozent plus einer Aktie am Lada-Hersteller AvtoVaz. Renault-Chef Carlos Ghosn und der Direktor des staatlichen Rüstungskonzerns Rosoboronexport, Sergej Tschemesow, unterzeichneten am Samstag am Firmensitz von AvtoVaz in Togliatti an der Wolga eine entsprechende Absichtserklärung.

Der Kaufpreis wurde zunächst nicht bekannt. Analysten schätzten das Aktienpaket auf über 1,36 Mrd. US-Dollar (928 Mio. Euro). Tschemesow nannte den vereinbarten Preis "nahe am Marktwert". Der Kaufpreis basiere auf einem Firmenwert von umgerechnet 3,9 Mrd. Euro, sagte Renault-Finanzchef Thierry Mouglinguet. "Sie haben uns einen fairen Preis bezahlt, nahe am Marktpreis", so Tschemesow, der als persönlicher Freund von Präsident Wladimir Putin gilt.

Auto um 10.000 Euro

Renault verfügt nach seinem Einstieg über eine Sperrminorität und hat damit maßgeblichen Einfluss bei dem russischen Autobauer. AvtoVaz wird nach dem Einstieg von der Technologie der Franzosen profitieren. Man werde weiter an der Entwicklung neuer Modelle arbeiten, für die Renault unter anderem die Motoren liefern könne, kündigte Tschemesow an. Zudem solle das AvtoVaz-Werk in Togliatti für 900 Mio. US-Dollar modernisiert werden. Damit wachse die Kapazität von 900.000 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge jährlich. Renault-Chef Ghosn schloss auch die Produktion von Autos der Marken Renault und Nissan in Togliatti nicht aus. Die Entwicklung der Marke Lada werde aber Vorrang haben. Zusammen entwickelt werden soll ein Auto zum Preis von gut 10.000 Euro. Lada, Renault und die japanische Nissan Motor, an der die Franzosen mit 44 Prozent beteiligt sind, peilen in Russland einen Marktanteil von 40 Prozent an.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass Renault den zwei Jahre dauernden Bieterwettstreit um AvtoVaz für sich entschieden hatte. Die Franzosen setzten sich dabei gegen den US-Autobauer General Motors (GM) sowie Fiat und den kandadischen Autozulieferer Magna von Frank Stronach durch.

Vertragsunterzeichnung Ende Februar

Der Vertrag über den Einstieg Renaults soll bis zum 25. Februar kommenden Jahres unterschrieben werden. Danach hielten die Franzosen und Russian Technologies jeweils die Hälfte an einer Holding, der wiederum 50 Prozent an AvtoVaz gehörten. Weitere Anteilspakete will Tschemesow bei den Stahlmagnaten Alexej Mordaschow und Alexej Usmanow sowie an der Börse platzieren. Renault erhält eigenen Angaben zufolge ein Vetorecht gegen jeden neuen Anteilseigner aus der Branche. Rosoboronexport-Chef Tschemesow kündigte an, sein Konzern wolle auch in Zukunft zumindest ein Sperrpaket an AvtoVaz behalten.

Russische Medien spekulierten am Samstag, dass auch das gute Verhältnis zwischen den Präsidenten Nicolas Sarkozy und Wladimir Putin Renault geholfen haben könnte, sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen. GM produziert bereits seit 2003 den Chevrolet Niva gemeinsam mit Lada in Russland.

Das boomende Russland wird nach Einschätzung von Experten in absehbarer Zeit Deutschland den Rang als größtem Automarkt in Europa ablaufen. Renault, aber auch General Motors oder Ford fertigen bereits in Russland. Vor kurzem hat Volkswagen ein Werk in Kaluga südlich von Moskau in Betrieb genommen. (APA/dpa/Reuters)

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