Beeinflussen wolkenbewohnende Bakterien das Wetter?

24. August 2000, 06:28

Die Mikroben haben sich über den ganzen Planeten verteilt - möglicherweise mit direkten Auswirkungen auf das Klima.

Innsbruck/London - Einige Bakterien sind buchstäblich in Wolken gebettet. Sie können nach Meinung internationaler Forscher sogar Regenschauer auslösen oder das Klima beeinflussen. Ein Team um Birgit Sattler von der Universität Innsbruck isolierte durchschnittlich 1.500 Bakterien in einem Milliliter Wasser, das aus Wolken über dem "Sonnblick" stammt.

Wie das britische Magazin "New Scientist" vom kommenden Samstag weiter berichtet, gelang es den Forschern bisher jedoch nicht, die Art der Mikroorganismen zu bestimmen. "Wir haben bewiesen, dass es dort oben Leben gibt und dass es sich vermehren kann", sagte Birgit Sattler. "Jetzt wollen wir wissen, wer genau dort oben lebt." Eine Gen-Analyse soll nun ergeben, ob die Bakterien von Boden-, Pflanzen- oder Wasserbewohnern abstammen.

Einfluss

Laut Daniel Jacob, Chemiker an der Harvard Universität, könnten diese Bakterien einen bedeutenden Einfluss auf das Klima haben. Er glaubt, die Wolken-Bewohner produzieren sauerstoffhaltige Verbindungen, so genannte Carbonyle. Diese reagieren mit Licht, bilden freie Radikale und erhöhen so die Ozonbildung. "Woher die Carbonyle in der Atmosphäre stammten, konnten wir uns nie erklären", so Jacob.

Bereits 1998 stellte Tim Lenton vom Zentrum für Ökologie und Hydrologie in Edinburgh die These auf, Mikroorganismen veränderten das Klima, indem sie Wolkenbildung und Regen beeinflussen würden. Die Bakterien bilden dabei Eiskristalle, die dann zu Regentropfen anwachsen. "Dadurch können sie sich über den ganzen Planeten verteilen", erläutert Lenton im "New Scientist". Bereits jetzt seien Bakterien bekannt, die in Pflanzen Eiskristalle bilden. (APA/dpa)

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