Republika Srpska wählt am Sonntag neuen Präsidenten

13. Dezember 2007, 16:31
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Nach Tod von Amtsinhaber Jelic im September - Favoriten: Jurist Kuzmanovic, Ex-Premier Ivanovic und Nationalist Tadic

Banja Luka - In der Republika Srpska wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Die Wahl wurde nach dem Tod von Milan Jelic am 30. September ausgeschrieben. Der 51-jährige Präsident war nach einem Amtsjahr einem Herzleiden erlegen. Zehn Kandidaten sind im Rennen um das Präsidentenamt, von denen neun von Parteien und einer von einer Bürgergruppe vorgeschlagen wurden. Wahlberechtigt sind knapp 1,2 Millionen Bürger Bosnien-Herzegowinas. Wirkliche Siegesaussichten werden nur drei Präsidentschaftskandidaten eingeräumt.

Der Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) von Premier Milorad Dodik nominierte den Leiter der Wissenschaftsakademie der Republika Srpska, Rajko Kuzmanovic (76). Der der breiten Öffentlichkeit kaum bekannte Jurist hat vor allem dank der großen SNSD-Popularität gute Siegeschancen. Jelic war ebenfalls SNSD-Spitzenpolitiker.

Föderationseinheiten

"Es gibt drei Staatsvölker, von denen kein einziges eine vorherrschende Rolle auf Staatsebene haben darf", schloss sich Kuzmanovic im Wahlkampf der allgemeinen Debatte über die Umbildung des Staates an. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Verfassungsreform sprach sich der Jurist ferner für eine aus drei Teilrepubliken bestehende bosnische Föderation aus.

Nach der im SNSD herrschenden Meinung sollen zwei Föderationseinheiten - die bosniakische und die kroatische - in der bosniakisch-kroatischen Föderation, der zweiten Entität Bosniens, entstehen. Sollte dies nicht möglich sein, sollte das derzeitige Staatsmodell, das durch das Dayton-Friedensabkommen im Jahr 1995 auf die Beine gestellt wurde, beibehalten werden, so Kuzmanovic.

Sein bekanntester Gegenkandidat ist der Chef der Partei des Demokratischen Fortschritts (PDP), Mladen Ivanic (49). Der Wirtschaftswissenschafter war zwischen 2001 und 2003 Premier der Republika Srpska und danach bis Anfang des Jahres bosnischer Außenminister. Durch seine Wahlparole - "Gebt die Stimme dem Mann, der durch seine Kraft und Kenntnisse die Republika Srpska zu verteidigen wissen wird" - hebt er sich kaum von Kuzmanovic ab. Sein Wahlslogan lautet "Zuerst Republika Srpska".

Opposition

Die stärkste Oppositionspartei, die Serbische Demokratische Partei (SDS), nominierte Ognjen Tadic für das Präsidentenamt. Der 33-jährige Anwalt pries im Wahlkampf seine langjährigen politischen Erfahrungen. Eigentlich rühren sie größtenteils aus seiner Zeit im Amt des Generalsekretärs der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei der Republika Srpska her. Die Ultranationalisten wurden im Oktober 1999 vom damaligen internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch sogar aufgefordert, den durch seine aufhetzerischen Reden aufgefallenen Tadic und zwei weitere Parteifunktionäre des Amtes zu entheben.

Tadic machte sich in den vergangenen Wochen für die Ausschreibung eines Referendums über die Polizei- und Verfassungsreform stark und kritisierte die Regierung Dodiks. Sie habe vergessen, dass Armut und Arbeitslosigkeit die wichtigsten Probleme der einfachen Leute seien.

Randfiguren

Die multiethnische Volkspartei "Durch Arbeit zum Wohlstand" schlug den bosnischen Kroaten Anton Josipovic für das Präsidentschaftsamt vor. Der 46-jährige Boxer, Olympiasieger im Halbschwergewicht im Jahr 1984, ist der älteren Generation im Raum Ex-Jugoslawiens gut bekannt. Siegeschancen hat er aber keine.

Für die Serbische Radikale Partei "Dr. Vojislav Seselj" befindet sich Mirko Blagojevic im Rennen, die Sozialdemokratische Partei von Zlatko Lagumdzija stellte Slobodan Popovic auf. Zu den Randfiguren im Wahlkampf gehören auch noch Krsto Jandric von der Demokratischen Volkspartei, Nedzat Delic, Kandidat der Demokratischen Invalidenpartei, Nikola Lazarevic von der Europäischen Umweltpartei und der unabhängige Kandidat Dragan Djokanovic.

Die zentrale Wahlkommission soll die ersten Wahlergebnisse am Montag bekanntgeben, die Endergebnisse der Präsidentenwahl müssen bis zum 24. Dezember vorliegen. Die zwei im Vorjahr gewählten Vizepräsidenten der Republika Srpska - Davor Cordas (Kroate) und Adil Osmanovic (Bosniake) - mussten sich nach dem Tod Jelic' nicht erneut der Wahl stellen. (APA)

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    Premier Milorad Dodik (rechts) mit seinem Kandidaten Rajko Kuzmanovic (links)

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    "Kein Bosnien ohne der Republik Srpska" - Protest von bosnischen Serben Ende Oktober in Banja.

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