"Bekam schon erste Morddrohung"

12. März 2008, 16:38
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"Jetzt rede ich": Peter Resetarits im STANDARD-Interview über Erfahrungen im Außendienst, frustrierte Diskutanten und Drohbriefe mit Rechtschreibfehlern

380-kV-Leitung und Bleiberecht diskutieren Bürger am Mittwoch in der ersten Ausgabe von "Jetzt rede ich". Peter Resetarits berichtete dem STANDARD erste Erfahrungen im Außendienst, von frustrierten Diskutanten und Drohbriefen mit Rechtschreibfehlern.

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STANDARD: Die ersten Begegnungen sind ja bereits aufgezeichnet. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Resetarits: Beide Diskussionen brachten einen spannenden, einigermaßen fairen Schlagabtausch. Die Diskussion in der Steiermark über die 380-kV-Leitung war emotionaler als die oberösterreichische Geschichte über Bleiberecht aus humanitären Gründen.

STANDARD: Standard: Dann ist alles perfekt, oder gibt's irgendwo Verbesserungsbedarf?

Resetarits: Damit, was die Fernsehzuschauer sehen werden, bin ich absolut zufrieden. Wir haben allerdings ein Problem mit der Zeit. Ich glaube, dass der Zuschauer daheim mit jeweils 25 Minuten genug hat. In Oberösterreich war es aber so, dass von den 60 Anwesenden viele nicht zu Wort kamen und deshalb ziemlich angefressen waren. Da müssen wir uns noch etwas überlegen. Wir dürfen die Erwartungshaltung nicht wecken, in 25 Minuten können nicht restlos alle sprechen.

STANDARD: Die Bürger hoffen auf Problemlösungen. Konnten Sie die Erwartungen erfüllen?

Resetarits: Bei den Oberösterreichern muss ich mich entschuldigen. Da waren viele einfach frustriert, weil sie nicht drangekommen sind. Die Braven, die ordentlich aufzeigten, fielen leider unter den Tisch. Wahrscheinlich muss man es vorher sagen, dass nicht alle reden können.

STANDARD: Als Moderator sind Sie aber auch angreifbar?

Resetarits: Bei der Diskussion ums Bleiberecht hatten beide Parteien den Eindruck, ich hätte sie schlechter behandelt. Beide sind aber absolut gleichrangig zu Wort gekommen, trotzdem hieß es danach: Eh klar, Herr Resetarits, wir wissen, woher Sie kommen.

STANDARD: Klingt nicht sehr angenehm ...

Resetarits: Damit muss man leben. Ich habe heute schon die erste Morddrohung in einem anonymen Brief erhalten. "Zu Ihrer Sendung: Jeder illegale Ausländerdreck wird von euch vertreten, und ehrenwerte Bürger werden sogar vom eigenen Anwalt negiert. Das wird Folgen haben. Gebt der Resetarits-Sau über seinen baldigen Tod Bescheid. Da ist das Possessivpronomen falsch, es müsste richtig „über ihren baldigen Tod" heißen. Als Moderator bin ich letztlich die Projektionsfigur, an der sich solche Emotionen entzünden. Das sind Narren, die solche Briefe verschicken. Nicht mutig genug, den Namen dazuzuschreiben.

STANDARD: Sollte die Diskussion einmal handgreiflich werden, werden wir das im Fernsehen sehen?

Resetarits: Eine Schlägerei würde man sehen. Aber da bin ich vor. Vielleicht schreite ich manchmal sogar zu früh ein, aber ich bin lieber nicht der, der wegen der Rauferei im Fernsehen berühmt wird. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 5.12.2007)

Zur Person
Peter Resetarits (47) kümmert sich um die Bürgersendungen im ORF. Bekannt wurde er als "Ohne Maulkorb"-Moderator.

Zum Thema
Erste Ausgabe von "Jetzt rede ich - das ORF-Bürgerforum" am Mittwoch - Hochspannungsleitung in der Steiermark und Abschiebungsfall in Linz sind die Themen - Zehn Sendungen pro Jahr geplant

  • Jetzt redet er (gerade nicht): Peter Resetarits vermittelt im neuen ORF-Bürgerforum.
    foto: orf/günther pichlkostner

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