Regierung will Auswanderer zurückholen

12. März 2008, 16:42
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Steueramnestie für Emigranten als Anreiz für Rückkehr geplant - Studie: Rund 700.000 Polen leben im Ausland

Warschau - Die Regierung in Polen will Emigranten durch eine Steueramnestie einen Anreiz zur Rückkehr geben. "Der Gesetzesentwurf ist schon fertig, wir bringen es in ein paar Wochen im Parlament ein", sagt der Fraktionsvorsitzende der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO), Zbigniew Chlebowski, der Tageszeitung "Polska".

Die Amnestie soll alle Personen betreffen, die von Mai 2004 an legal in den EU-Ländern beschäftigt waren, die kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Polen haben. Das gilt unter anderem für Österreich, Belgien und die Niederlande. "Davon können alle Gebrauch machen, egal, wie viel sie wo verdient haben - nur legal muss es gewesen sein", bestätigt der PO-Abgeordnete Jakub Szulc. Für die Rückkehrer soll es genügen, eine einseitige Erklärung auszufüllen.

Bildungshintergrund

Die PO hatte vor der Parlamentswahl vor über einem Monat versprochen, um Emigranten zu werben. Denn die Abwanderung von Arbeitskräften stellt die polnische Wirtschaft langfristig vor große Probleme, wie auch der am Mittwoch veröffentlichte Bericht "Work in Poland" bestätigte, den Experten im Auftrag der Stiftung FISE anfertigten. "Wir haben herausgefunden, dass 70 Prozent der Emigranten zwischen 18 und 34 Jahre alt sind", sagte Joanna Tyrowicz, Mitautorin der Studie, der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" (Mittwoch-Ausgabe). Ein Drittel der Auswanderer habe eine Hochschulausbildung, so die Wissenschaftlerin.

Nach Schätzungen der Experten arbeiten derzeit rund 700.000 Polen im Ausland, die meisten von ihnen in Großbritannien. Die Chancen auf eine Rückkehr der Emigranten gerade aus Großbritannien schätzt Joanna Tyrowicz indes gering ein: "Viele haben schon ihre Familien nachgeholt, und das dortige Bildungssystem ist besser als unseres in Polen." Wesentlich größer seien die Chancen bei polnischen Arbeitsemigranten in Österreich oder Deutschland, weil deren Familien in der Regel weiterhin in Polen wohnten. (APA)

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