Unsere heiße Schwester

5. Dezember 2007, 15:13
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Vor zwei Jahren schickte die Europäische Weltraumagentur ESA die Raumsonde Venus Express zu unserem Nachbarplaneten: Nun liegen die ersten Erkenntnisse vor

London/Graz - Auf dem ersten Blick hat die Venus mit der Erde nicht allzu viel gemeinsam. Gut, mit 12.100 Kilometern ist sie fast genau gleich groß wie unser blauer Planet. Aber sonst? Ein Tag auf dem der Sonne näheren Nachbarn (also die Drehung um die eigene Achse) dauert auf der Venus 243 Erdentage.

Insbesondere auf der Seite, die der Sonne zugeneigt ist, herrscht eher Extremwetter: Tageshöchstwerte von etwa 500 Grad Celsius. Und in der Atmosphäre hängen Wolken konzentrierter Schwefelsäure.

Trotz der extremen Klimaunterschiede ist die heiße Schwester in mancher Hinsicht erdähnlicher als gedacht, wie Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature gleich in insgesamt neun Artikeln berichten (Bd. 450, S. 629-662), die allesamt auf Daten der europäischen Raumsonde "Venus Express" zurückgehen.

Es dürfte auf der Venus nämlich unter anderem Blitze und vergleichbare Luftströmungen an den Polen geben. Darüber hinaus erinnerten große Wolkenwirbel am Venus-Südpol an die Atmosphärenzirkulation bei uns.

Für den Unterschied der Atmosphären dürfte in erster Linie das fehlende Magnetfeld unseres kosmischen Nachbars verantwortlich sein, sagt Wolfgang Baumjohann, Leiter des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Das IWF ist an entscheidenden Experimenten von Venus Express beteiligt.

Ähnliche Frühphase ...

Vor allem in ihrer Frühphase dürften sich die ich die planetaren Geschwister sehr ähnlich gewesen sein. Bis heute besitzen sie auch in etwa die gleiche Menge des Treibhausgases Kohlendioxid.

Während auf der Erde jedoch ein guter Teil davon etwa in Form von Karbonaten in der Erdkruste, in Korallenriffen oder Lebewesen gebunden ist, existiert es auf der Venus weiterhin als dominierendes Gas in der Atmosphäre und erzeugt das extreme und lebensfeindliche Treibhausklima.

Damit ist die Existenz von Leben nicht nur Ergebnis, sondern auch Ursache für die Unterschiede auf Venus und Erde. Auch der Sauerstoff auf der Erde ist zum guten Teil ein Ergebnis der Tätigkeit von Lebewesen.

Einem weiteren, entscheidenden Unterschied zwischen Venus und Erde haben die Weltraumexperten im bisherigen Verlauf der Venus Express-Mission genau auf den Zahn gefühlt. Durch den inneren Aufbau der Erde und unterschiedlich rotierende Schichten in der Tiefe baut sich ein Magnetfeld auf. Dieses schützt unseren Planeten vor dem aggressiven Sonnenwind, hauptsächlich geladenen Teilchen von der Sonne.

... aber kein Magnetfeld

Venus und Mars hingegen besitzen kein derartiges Magnetfeld. Im Falle des Mars vermuten Wissenschafter aufgrund von Gesteinsanalysen, dass der Planet in einer heißeren Phase seiner Entstehung ein derartiges Magnetfeld besaß, das durch die Abkühlung verloren ging. Für die Venus ist es mangels fester Oberflächen oder Gesteine bis heute unklar, ob sie je einen derartigen Schutzschild besessen hat.

Ohne Magnetfeld gelangt der Sonnenwind jedenfalls in voller Stärke bis zu den äußeren Schichten der Venus-Atmosphäre. Doch viel weiter geht es nicht, bestätigten jetzt die Messungen unter anderem durch das am IWF entwickelte Magnetometer "VEX-MAG" an Bord von Venus Express.

Durch die Strahlung von der Sonne bildet sich nämlich in den äußeren Schichten der Venus-Atmosphäre Plasma und damit wiederum ein Magnetfeld, das den Sonnenwind am Eindringen in tiefere Schichten hindert.

Die Tatsache, dass die harte Strahlung der Sonne im Falle der Venus nicht von einem Magnetfeld, sondern erst beim Auftreffen auf die Atmosphäre abgefangen wird, hat aber auch nachhaltige Konsequenzen. So konnten die Grazer Wissenschafter gemeinsam mit schwedischen Kollegen messen, dass die Venus beständig Wasserstoff und Sauerstoff verliert - also die Bestandteile von Wasser. Dieser Umstand dürfte erklären, warum auf der Venus im Vergleich zur Erde so wenig Wasser zu finden ist.

Die genauen Vermessungen des Magnetfeldes konnten ein weiteres Geheimnis der Venus lüften. Wie auf der Erde scheint es auf unserem Nachbarplaneten gelegentlich zu blitzen. "Sehen kann man diese Entladungen wegen der dichten Atmosphäre der Venus nicht. Wir konnten sie aber anhand der magnetischen Wellen messen", so Baumjohann. (APA, tasch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 11. 2007)

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    Die Venus ist ähnlich groß wie die Erde. Sie besitzt aber kein Magnetfeld, was viele andere Unterschiede erklären dürfte.

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