Auftritt gegen "Auschwitz-Lügner"

5. Dezember 2007, 15:11
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Heftige Proteste verzögerten in Oxford eine Debatte mit David Irving und Nick Griffin

Eines ist den Organisatoren des berühmtesten Debattierklubs der Welt, der Oxford Union (OU), gelungen: Ihr Diskussionsthema vom Montagabend, "Die Grenzen der Meinungsfreiheit", sorgte schon vorweg für Schlagzeilen: Ausgerechnet mit dem Auschwitz-Leugner David Irving sowie dem Vorsitzenden der rechtsextremen British National Party (BNP), Nick Griffin, wollten die Studenten der Uni Oxford debattieren.

Antifaschistische Demonstranten machten dagegen mobil. Am Ende erlebte die ehrwürdige Universitätsstadt Oxford, wie der erleichterte Einsatzleiter der Polizei sagte, "die höflichste Demonstration, die ich je erlebt habe."

Dabei war die Diskussion vorher spannender als der mit Verspätung begonnene Debattierabend selbst. Nach heftiger Kritik, unter anderem von Unterhausabgeordneten, hatte die OU alle Mitglieder über die Einladungen abstimmen lassen. Zwei Drittel stärkten der Führung um OU-Präsident Luke Tryl den Rücken. Gegner wie der konservative Abgeordnete Julian Lewis halten Tryl für "zynisch", "eitel und naiv". Lewis kündigte wegen des Streits seine OU-Ehrenmitgliedschaft, die Einladung an Irving und Griffin gebe "diesen Schurken Unterstützung".

Antisemit, Rassist und Auschwitz-Leugner

Den 69-jährigen autodidaktischen Historiker Irving darf man nach dem Urteil des Londoner High Court "Antisemiten" nennen, "Rassisten und Auschwitz-Leugner". In vielen Ländern ist er persona non grata, in Österreich saß er 2006 wegen Verbreitung der Auschwitz-Lüge im Gefängnis. BNP-Chef Griffin, 48 Jahre alt, ist wegen Volksverhetzung im Zusammenhang mit der Auschwitz-Lüge rechtskräftig verurteilt. Seine Partei nimmt nur weiße Briten auf, plädiert für den EU-Austritt und die "freiwillige" Repatriierung andersfarbiger Immigranten.

Sollen solche Herren eine Plattform erhalten? Weil eine Gruppe Demonstranten zunächst den Tagungsort besetzt hielt, musste die traditionelle Abstimmung über diese Frage entfallen; die geplante Debatte zerfiel in mehrere Diskussionsrunden. Darüber freuten sich die Demonstranten.

OU-Präsident Tryl hingegen fühlte sich in seiner Einladung bestätigt: "Irving und Griffin haben scheußliche Ansichten, aber solchen Ansichten tritt man am besten mit freier Debatte entgegen." (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2007)

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    Antifaschistische Demonstranten protestierten Montagabend in Oxford gegen die Debatte mit David Irving und Nick Griffin.

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