EADS will Teil der Airbus-Produktion aus Europa abziehen

19. Dezember 2007, 15:12
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EADS-Chef Gallois: Wegen des starken Euros - Neue Produktionsstätten: China, Russland, Indien und arabischer Raum

Frankfurt - Der krisengeschüttelte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will wegen des starken Euro Teile der Airbus-Fertigung aus Europa abziehen. "Wir werden Teile der Produktions- und Zulieferbereiche in den Dollar-Raum verlagern müssen", sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Welt am Sonntag" laut einem am Samstag veröffentlichten Vorausbericht. "Wir werden unsere Entwicklungspläne zurückschrauben müssen."

Neue Produktionsstätten

Laut einem Vorausbericht des Magazins "Focus" will Airbus neue Produktionsstätten in China, Russland, Indien und dem arabischen Raum aufbauen. Eine Airbus-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag, es sei unverändertes Ziel des Konzerns, den Anteil des Flugzeugbaus außerhalb Europas auf 50 Prozent zu steigern.

Der Euro war zuletzt bis auf fast 1,50 Dollar geklettert und hatte am Freitag ein Rekordhoch von 1,4966 Dollar erreicht. "Das ist ganz klar eine existenzielle Bedrohung - nicht unmittelbar, aber längerfristig. Auf dieser Basis können wir nicht mehr vernünftig für die Zukunft planen", sagte Gallois der "Welt am Sonntag". "Der Verfall des Dollar-Kurses ist so rasant, dass es unmöglich ist, darauf schnell genug zu reagieren. Das gefährdet die europäischen Hightech-Branchen."

Stellenabbau

Zuletzt hatte bereits Airbus-Chef Thomas Enders den rasanten Verfall des Dollar als "lebensbedrohlich" für den Flugzeughersteller bezeichnet und deshalb einen verschärften Sparkurs angekündigt. Die Schwäche der US-Währung ist für Airbus ein besonderes Problem, da in der gesamten Flugzeugbauindustrie gegen Dollar verkauft wird.

Ein Stellenabbau infolge der Dollarkrise sei jedoch nicht geplant, sagte die Airbus-Sprecherin. Über die im Rahmen des Sanierungsprogramms "Power 8" vorgesehenen Sparmaßnahmen hinaus sei kein Abbau von Arbeitsplätzen beabsichtigt. "Wir fahren gerade die Produktion weiter hoch. Da sind weitere Einschnitte in den Personalbestand kein Thema", zitierte die Zeitung "Euro am Sonntag" einen namentlich nicht genannten Airbus-Manager.

Wochenarbeitszeit

Laut "Focus" droht den Airbus-Beschäftigten jedoch Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Der Konzern wolle in Deutschland bei unverändertem Gehalt die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen. Das gehe aus Planungen einer internen Expertengruppe hervor. Die Airbus-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.

Airbus hält sich zudem eine Forderung nach staatlichen Beihilfen für die Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A 350 offen. Bisher hat der Konzern nach eigenen Angaben für diese Maschine keine öffentlichen Entwicklungsdarlehen in Anspruch genommen. "Wir haben aber nicht ausgeschlossen, das zu tun", sagte die Sprecherin. "Euro am Sonntag" zitierte den Airbus-Manager zu dem bisherigen Verzicht mit den Worten: "Das können wir uns bei einer weiteren Verschlechterung des Dollarkurses einfach nicht mehr leisten."

"Horrorvision"

Beim angestrebten Verkauf der Airbus-Werke Varel, Nordenham und Augsburg ist EADS nach Konzernangaben vom Samstag weiter mit allen Bietern im Gespräch. Der "Focus" hatte gemeldet, eine Entscheidung stehe kurz bevor. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten in der Branche der Bremer Raumfahrtkonzern OHB und das US-Unternehmen Spirit. Laut "Focus" verhandelt OHB mit dem US-Finanzinvestor Cerberus über einen gemeinsamen Einstieg, da das Bremer Unternehmen den Kauf alleine nicht stemmen könne. "Eine solche Heuschrecke ist für uns eine Horrorvision", zitierte das Magazin einen Betriebsrat. Von OHB und Cerberus war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten. (APA/Reuters)

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    "Wir werden unsere Entwicklungspläne zurückschrauben müssen", sagte EADS-Chef Louis Gallois.

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