Das "Online-Betriebssystem" OOS
weist Google-Labs in die Schranken

30. Juni 2008, 14:15
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Österreichische Entwickler bringen einen Online-Desktop für Browser - Persönliche Daten von überall aus abrufen und bearbeiten

Seit zwei Jahren arbeitet das Team von iCube an einer Lösung für den universell abrufbaren Desktop. Nach Erhalt einer Förderung durch die Internet Privatstiftung Austria (IPA) setzten sich die fünf jungen Herren samt einigen freien Mitarbeitern das Ziel eine Plattform zu ermöglichen, die zur Kollaboration eingesetzt werden kann. Nun steht die erste finale Version des Online Operating System (OOS) kurz vor Veröffentlichung.

Weshalb Online?

"Ein typisches Anwendungsszenario wäre, man sitzt in der Firma und hat keinen Zugriff auf die persönlichen Daten", erklärt Mitentwickler Jürgen Kuster gegenüber dem WebStandard. Das Ziel sei es allerdings nicht, den klassischen Desktop zu ersetzen, sondern durch die Online-Plattform einen Platz zur gemeinsamen Arbeit mit üblichen Anwendungen wie Text-Editoren oder Email-Programmen zu ermöglichen.


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Login

Der Zugang erfolgt über den Internet-Browser (vorerst nur IE7 und Firefox ab Version 1.5). Der Nutzer loggt sich ein, daraufhin erscheint ein schlichter, übersichtlicher Desktop. Die Handhabung unterscheidet sich nur marginal vom Offline-Ebenbild. Bilder öffnen sich per Doppelklick, Daten lassen sich per Drag&Drop zwischen Ordnern verschieben. Inhalte können hochgeladen werden, um sie zu bearbeiten, zu sichern oder wiederum auf einen "echten" Schreibtisch zu laden.

Doch im Idealfall ist der letzte Schritt gar nicht notwendig. Denn das OOS bietet jetzt schon eine Reihe an typischen Anwendungen zum Abspielen von MP3s oder zum Anzeigen von PDFs und Bildern. Sogar ein Email-Client steht bereit. Ein Rechner und eine Hand voll Spiele runden das Paket ab. Im Laufe der nächsten Monate soll die Funktionalität dann stetig erweitert werden. Videos oder Office-Formate werden dann ebenfalls lesbar sein.

Kollaboration

Im ersten Release noch nicht integriert, aber wesentliches Ziel für die Zukunft, ist die Funktion der parallelen Bearbeitung von Dateien. Mehrere Personen sollen gleichzeitig an einem Text schreiben können und auf diese Weise die Produktivität erhöhen, so die Intention. Zur Kommunikation dienen später dann Messenger oder VoIP-Applikationen.

Open-Source und proprietär

Damit immer mehr Anwendungen realisiert werden, die Qualität der Plattform dadurch aber nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, fährt iCube eine zweigeteilte Strategie. Das Java-Skript-Rahmenwerk ist demnach eine proprietäre Entwicklung. Das Online-Betriebssystem unterliegt allein der Verwaltung der Entwickler.

Mithilfe einer frei verfügbaren Entwicklungsumgebung, die direkt aus dem Programm-Ordner gestartet werden kann, lassen sich Open-Source-Programme erstellen. AJAX ist in diesem Fall für die Kommunikation verantwortlich. Der Vielfalt an Applikationen sind kaum Grenzen gesetzt. Auch bestehende Lösungen sollen eingebaut werden. Der Browser im Browser ist ebenfalls dabei - doch dies sei eher "eine Spielerei", meint Kuster.


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Unternehmen und Private

Von der Konkurrenz (Eye-OS, You-OS, Desktop2, etc.) abheben, will man sich durch hohe Zuverlässigkeit, sowie eine flexiblere Handhabung. Der kommerzielle Einsatz sei auch schon angedacht. Für Unternehmen ließen sich etwa spezielle Business-Lösungen erstellen. Aber auch Privatpersonen sollen künftig durch Zusatz-Dienste im Rahmen eines Abonnements profitieren können. Etwa ließen sich SMS-Benachrichtigungen für frisch eingelangte Emails einrichten. Noch näher liegend ist die simple Erweiterung des Speichers. Standardisiert hat jeder Benutzer 1 Gigabyte für seine Daten zur Verfügung.

Einen großen Vorteil hat das OOS gegenüber Web-Anwendungen wie jenen von Google. Die Programme sind auf einem Desktop gebündelt und sind so wesentlich schneller und einfacher anzuwenden. Laut Kuster wäre aber auch eine Kooperation mit Unternehmen wie Google denkbar - "die Applikationen selbst sind super", so der Entwickler. "Realistischer Weise muss man allerdings sagen, dass wir nicht wissen, ob Google nicht selbst an einer derartigen Lösung arbeitet".

Sicherheit

Großes Anliegen der Entwickler ist die Vertrauenswürdigkeit gegenüber den Anwendern. "Wir wollen einen konsistenten, homogenen Desktop zur Verfügung stellen", sagt der Entwickler. Seriöses Auftreten sei ein wesentlicher Bestandteil zur Vertrauensgewinnung. Man sei sich bewusst, dass viele Benutzer durch die "Fernspeicherung" von Daten auf den Servern der Betreiber abgeschreckt sein werden. Mit professionellem Auftreten und der Implementierung von Verschlüsselungsmechanismen (SSL) in den kommenden Versionen, soll ein sicherer Umgang gewährleistet werden.

Zurzeit nutzen rund 5.000 Anwender die Demo-Version des Online-Desktop. Mit dem Start der ersten finalen Version erhofft man sich naturgemäß großen Zuspruch. Damit es aber nicht zu Totalausfällen kommt, wurde zur Sicherheit eine Obergrenze von 200 simultanen Nutzern festgelegt. Der Test steht aber dennoch jedem frei. In Kürze soll dann die erste komplette Fassung erscheinen. (Zsolt Wilhelm)

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    zsolt wilhelm
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