"Einkaufen bei Metro nur mit Karte"

8. Februar 2008, 14:52
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Trotz scharfen Wettbewerbs macht der deutsche Handelsriese Metro mehr Gewinn mit Cash & Carry - Ein STANDARD-Interview mit Hans Gerhard Degen und Alois Wichtl

Über das Kräftemessen mit Wurstlieferanten, steigende Lebensmittelpreise und den Missbrauch der Kundenkarte sprach Verena Kainrath mit den Großhändlern Hans Gerhard Degen und Alois Wichtl.

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STANDARD: Sie fordern von Ihren Wurstlieferanten pauschale Rabatte von sieben Prozent. Verdient die Metro so schlecht, dass sie sich ihr Geld von den Produzenten holen muss?

Degen: Das hat nichts damit zu tun, ob wir gut oder schlecht verdienen – wir sind für die Kunden da. Dass sich Handel und Industrie über Preise austauschen, ist ein tägliches Geschäft. Verbesserungen gehen nicht in unser Portemonnaie.

STANDARD: Die Fleischbranche sieht sich finanziell am Limit. Viele verweigern den Sonderrabatt, manche drohen sogar mit einem Lieferstopp.

Degen: Niemand hat aufgehört uns zu beliefern, und wir haben uns von keinem getrennt. Wir werden uns in einem vernünftigen Rahmen einigen, da bin ich zuversichtlich.

STANDARD: Rohstoffkosten steigen. Wie stark mussten Sie die Preise in den Regalen erhöhen?

Degen: Es gibt jetzt eine globale Hysterie, alle Branchen erhöhen die Preise. Das Verblüffende daran ist die Kurzfristigkeit und die Höhe – solche Prozentwerte habe ich so noch nie präsentiert bekommen. In einem halben Jahr werden wir sehen, wie gerechtfertigt das war. Wir selbst können nicht alle Preissteigerungen schlucken und geben vieles weiter. Aber zum Teil gehen die Erhöhungen zu unseren Lasten.

STANDARD: Metro hat den Umsatz 2006 laut Bilanz um 29 auf 767 Mio. Euro erhöht. Das EGT stieg zugleich von 28,5 auf 33,9 Mio. Euro. Woher kommen die wachsenden Gewinne?

Wichtl: Wir sind ein Low-Cost-Unternehmen, haben die Kosten im Fokus und sind straff organisiert. Wir haben auch heuer ein geordnetes Jahr. Gemessen an den letzten Jahren, die dem Lebensmittelhandel reale Rückgänge gebracht haben, ist ein Aufschwung spürbar.

STANDARD: Sie übernehmen zudem mehr Logistikleistungen für die Lieferanten. Das bringt für Metro sicher Kostenvorteile.

Degen: Es gibt Töchter im Konzern, die sich mit Logistik beschäftigen. Wir versuchen unseren Warenfluss selbst in die Hand zu nehmen. Das bedeutet, dass bei uns am Ende des Tages nur ein Lkw und nicht 30 an der Rampe stehen.

STANDARD: Metro betreibt in Österreich mit 2300 Mitarbeitern zwölf Cash-&-Carry-Großmärkte. Bleibt es dabei?

Wichtl: Die Möglichkeit zu expandieren ist hier für uns begrenzt. Aufgrund der nötigen Einzugsgebiete und der Größe der Betriebe sind wir an den möglichen Standorten bereits vertreten. Wir denken jedoch über andere Varianten nach.

Degen: Wir haben die Mehrheit unserer Märkte renoviert und pro Filiale zehn Mio. Euro investiert. Derzeit wird Dornbirn umgebaut, nächstes Jahr ist der Standort Linz dran.

STANDARD: Es war ja auch einmal angedacht, in kleinere Flächen zu gehen.

Wichtl: Dieses Thema liegt immer wieder am Tisch. Derzeit gibt es dazu nichts Aktuelles.

STANDARD: Sie haben unter der Woche von sechs bis 22 Uhr geöffnet. 2008 dürfen auch Einzelhändler länger aufsperren. Fürchten Sie Kaufkraftabfluss?

Wichtl: Die Debatte rund um die Ladenöffnungszeiten tangiert uns nicht. Wir haben unsere eigene Klientel. Unsere Kundenzahl ist limitiert, nur wer einen Gewerbeschein hat, darf bei uns einkaufen.

STANDARD: Viele in der Branche klagen über Misswirtschaft bei der Vergabe der Kundenkarten.

Wichtl: Wir konnten diese Frage in den vergangenen Jahren aus der Welt räumen. Jeder, der Unternehmer ist, darf bei uns einkaufen, auch ein Arzt, Notar oder ein Architekt. Wir haben rund 500.000 Kunden.

STANDARD: Einer hat die Karte, und alle Verwandte und Freunde gehen damit einkaufen. Das ist in der Praxis doch die Regel.

Wichtl: Wir kontrollieren Karte und Kunde. Wer diese Kundenkarte verwendet, das können wir nicht kontrollieren. Derjenige, der für den Unternehmer einkauft, kann natürlich eine andere Person sein – ein Mitarbeiter, der Koch des Gastwirts etwa. Aber noch einmal: Wer keine Karte erhalten hat, der kann bei uns nicht einkaufen.

STANDARD: Wie bewerten Sie die Beteiligung der Rewe bei Adeg? Viele sehen darin ein Beschaffungskartell. Rewe betont hingegen, nur sehr wenig gemeinsam einzukaufen.

Degen: Das kann keiner prüfen. Ich sehe eine Zusammenballung von Einkaufsmacht.

STANDARD: Spar ist mit 27 Prozent beteiligt. Bleibt das so?

Wichtl: Da müssen Sie die Eigentümer fragen. Diese Beteiligung existiert seit 30 Jahren.

STANDARD: Kooperiert Metro im Einkauf mit der Spar-Gruppe?

Degen: Nein. Weil beide Organisationen einen eigenen Einkauf haben und unterschiedliche Ziele verfolgen: Spar nationale, Metro internationale.

STANDARD: Metro macht 70 Prozent des Geschäfts mit Lebensmitteln. Welche Rolle im Sortiment spielen Bio-Produkte?

Degen: Der Bio-Anteil liegt bei vier bis fünf Prozent und wird weiterhin steigen. Unsere Biomarke "Grünes Land" wird gerade überarbeitet. Sie erhält einen Relaunch, möglicherweise auch einen neuen Namen.

STANDARD: Metro International expandiert weltweit rasant. Ist Österreich miteingebunden?

Wichtl: Dieser Tage wird der 600. Metro-Markt in Nowosibirsk eröffnet. Europa ist bereits gut ausgebaut. Wir leisten, wenn nötig, Hilfestellung.

STANDARD: Es gab einst bei Metro eine Hausdurchsuchung – wegen Verdachts auf Schwarzverkäufe an die Gastronomen. Was kam dabei heraus?

Wichtl: Es gab eine vor Jahren, die Vorerhebung wurde eingestellt. Jetzt hören wir von einer "Aktion scharf" des Finanzministeriums gegenüber den Wirten. Wir lesen in diesem Zusammenhang immer wieder unseren Namen, ärgern uns und protestieren dagegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2007)

Zu den Personen
Hans Gerhard Degen (57) ist seit 2005 Chef der Metro Cash & Carry Österreich. Der Deutsche war zuvor fünf Jahre in der Geschäftsführung von Cash & Carry Deutschland. Alois Wichtl (52) ist seit über fünf Jahren Metro-Chef. Zuvor leitete er die Adeg West.
  • Alois Wichtl (li.) und Hans Gerhard Degen, Chefs der Metro Cash & Carry, zählen 500.000 registrierte Kunden.
    foto: standard/andy urban

    Alois Wichtl (li.) und Hans Gerhard Degen, Chefs der Metro Cash & Carry, zählen 500.000 registrierte Kunden.

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