Schwebend an der Bar über Graz

24. Oktober 2007, 18:35
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Auf dem Schlossberg entstand ein neuer lukullischer Tempel samt Glaskubus am Dach, das Bahnhofsviertel wurde mit einem "Rondo" aufgewertet

Mit einigen städtebaulichen Großprojekten ruft sich Graz als Stadt der Architektur in Erinnerung. Auf dem Schlossberg entstand ein neuer lukullischer Tempel samt Glaskubus am Dach, das Bahnhofsviertel wurde mit einem "Rondo" aufgewertet.

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Graz – Während sich die Politik im Grazer Rathaus – nicht erst seit dem beginnenden Wahlkampf – vorwiegend mit sich selbst beschäftigt und dafür auch vielerorts kritisiert wird, setzen Wirtschaft und Architektur währenddessen einige beachtliche Akzente.

Transparenter Halbrundbau

Im infrastrukturell noch eher schwachen Bezirk Lend nahe des Hauptbahnhofes hat die ÖWG/ÖWGES in der Annenstraße eines der bisher größten Grazer Neubauprojekte, das "Rondo Home & Business" fertiggestellt. In diesem sich über mehrere Straßenzüge ziehender transparenten Halbrundbaus sind neben 66 Wohneinheiten und 15 Büros als Beitrag zur Kunstförderung kostenlose Wohn- und Arbeitsateliers für Künstler untergebracht.

Schlossbergrestaurant siedhte dahin

Architekt Markus Pernthaler hat zudem viel Grün mit mediterrane und japanischen Gestaltungsformen in den 30-Millionen-Euro-Bau getragen. Für das Parkproblem wurde ein für Graz neuer Zugang gewählt: eine vollautomatische Staplergarage mit Liftsystem. Im massiven Zentrum der Stadt, dem Schlossberg, wurde fast zeitgleich ein weiteres markantes architektonisches Zeichen gesetzt. In der wohl besten Lage der steirischen Landeshauptstadt, am Gipfel des Schlossberges, siechte seit Jahren das legendäre Schlossbergrestaurant dahin. Es bedurfte etlicher zäher Verhandlungsrunden zwischen dem zuständigen Manager der Grazer Stadtwerke und dem Langzeitpächter, um den Altvertrag, der einen Umbau verhinderte, zu lösen.

Binnen eines Jahres krempelte das Architektenteam Christian Andexer und Georg Moosbrugger, die schon vor Jahren ein interessantes Vorprojekt entworfen hatten, das Areal um. Die Stadtwerke als Eigentümer investierten rund 2,9 Millionen Euro. Die besondere Herausforderung, hier am Schlossberg zu bauen, lag in der "Unantastbarkeit" des historischen Ambientes.

Blick auf Grazfreigelegt

Um die Exklusivität der Lage stärker zu betonen, wurde schließlich die Fassade des Restaurants geöffnet und über die Basteimauer verlegt, womit der Blick auf Graz nun freiliegt. Moosbrugger. "Man schwebt förmlich über Graz." Als einzig wirklich neues Bauelement des "Schlossberg" wurde ein gläserner Kubus – die schlicht gehaltene "Skybar" – aufgesetzt.

Dach des Traditionskaufhauses

Und schließlich: Ein Jahr nachdem die Unesco ihr OK gab, haben die beiden Kastner & Öhler-Chefs, Thomas Böck und Martin Wäg nun den rechtsgültigen Baubescheid für ihren 40 Millionen Euro teuren Dachausbau in Händen. Der eigentliche Umbau soll im Frühjahr 2008 starten. Auf dem Dach des Traditionskaufhauses, dessen gewagte Gestaltung inmitten des historischen Umfeldes für heftige Diskussionen gesorgt hat, werden 2000 Quadratmeter neu verbaut. In Summe werden 10.000 Quadratmeter neue Verkaufsflächen geschaffen, die über 24 neue Rolltreppen erreichbar sein werden. (DER STANDARD Printausgabe 25.10.2007)

  • Die "Skybar" auf dem Dach des neuen Schlossbergrestaurants: die momentan hippste Aussichts-warte von Graz.
    foto: grazer stadtwerke/uranitsch

    Die "Skybar" auf dem Dach des neuen Schlossbergrestaurants: die momentan hippste Aussichts-warte von Graz.

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