Pöhse, aber nicht brutal

25. Oktober 2007, 17:00
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Kawasaki treibt der Zett das Ruppige aus - Was bleibt, ist eine Mischung aus Charme und ausreichend Kraft

Die Z-Reihe bei Kawasaki hat eine lange Geschichte. 1972 kam die Z1 und sie wurde ein Erfolg, der fortgesetzt wurde bis in die späten 80er Jahre. Noch heute im Gedächtnis sind etwa die Z 900 und die Z 1000 aus dieser Zeit. Das waren Eisen für die echt ganz harten Jungs. Legendäre Teile. Dann kamen die 90er. Ohne Zett. Weil die harten Jungs waren da offenbar gerade nicht so gefragt.

2003 wurde der Mythos wiederbelebt. Die Z 1000 sorgte dank böser Streetfighteroptik für ordentliche Verkaufszahlen. Sie schaute nicht nur böse aus, sie war es auch. Markenzeichen war die güldene Vier-in-zwei-in-eins-in-zwei-in-vier-Auspuffanlage.

Im heurigen März stellte Kawasaki endlich den Nachfolger für das 2003er-Modell vor. Die neue Z 1000 hat eine noch brachialere Optik. Optisch ähnlich blieb auch die Auspuffanlage, wenn sie nun auch ein Vier-in-zwei-in-eins-in-zwei-System ist.

Kurz und gut: schaut scharf aus. Aber ist sie auch so scharf wie die Vorgängerin? Beim Blick aufs Datenblatt packt mich kurz das Grauen: minimal weniger Leistung, dafür vier Kilogramm schwerer. Ja wie gibt es denn das?

Magic Alois, Chefmechaniker von Kawasaki Österreich, erklärt die Leistungsausbeute damit, dass Kawasaki bei den PS-Angaben ganz ehrlich ist. Man mogelt also nicht ein paar PS dazu, die man dann am Prüfstand nicht und nicht finden kann. Und ein paar Pferde schlummern außerdem auch noch in der Kawa, die man recht einfach loslassen könnte.

Haken an der Sache ist: nicht auf der Straße, nur auf der Rennstrecke! Lässt man den Motor freier atmen, also vergrößert man den Lufteinlass ein wenig, und bastelt einen Rennendtopf drauf, kriegt man Stand bis zu zehn PS mehr aus dem Motor.

Bei dem Gewicht würde man meinen, dass die neuen Endtöpfe für die paar Kilo mehr verantwortlich sind. Nix da. Die haben bei der Kawa den Rahmen vollkommen neu konstruiert. Und zwar haben die Kawasaki-Intschiniöre das so angelegt, dass der Zylinderblock jetzt tiefer und steifer über eine Brücke mit dem Rahmen verbunden ist als das bei der Vorgängerin war. Der Erfolg ist vom ersten Augenblick an spürbar.

Zwar ist die Konstruktion jetzt ein bisserl schwerer, aber die Vibrationen, die der Motor auf den Rahmen übertragen hatte, sind weg. Der Kettenhund schnurrt jetzt wie ein Kätzchen. Vorbei die Zeit, wo man zumindest eine Nahkampfausbildung brauchte, um den Bock dareiten zu können. Heute würde sogar ein Tanzkurs reichen um die Z 1000 durchs Winkelwerk zu prügeln. (Und sollen wir jetzt raten, was davon du hast? Mfgux ;-)

Und dann war ja da noch die Sache mit dem Drehmoment. Man konnte von der Vorgängerin viel sagen, aber nicht, dass sie über das gesamte Drehzahlband gleichmäßig Schub produzierte. Oh nein! Bei der Neuen ist das ganz anders. Der Motor hat eine Laufkultur als wäre er mit Vorzug aus einer Anstalt für Schwererziehbare entlassen worden.

Damit spielt die Z 1000 ganz vorne mit in Liga der nackerten Litermaschinen. Der Antritt ist jetzt, egal wo man sich gerade im Drehzahlband befindet, immer "jabistdenndu!". Passt herrlich zum pöhsen Gschau der Zett.

>>> Der nackte Wahnsinn

Das Fahrwerk ist die herrliche Mitte zwischen sportlich und komfortabel. Für den beherzten Ritt auf der Straße perfekt. Ich konnte mich des Wunsches nicht erwehren, die große Zett über die Rennstrecke prügeln zu wollen. (Die Zett konnte sich aber wehren. Vorerst erfolgreich. Mfgux ;-) Da würde es für den Anfang reichen, die Verstellmöglichkeiten auszunutzen und das Dämpferwerk einfach ein paar Klicks härter zu stellen, so man sich damit auskennt.

Wahrlich gute Ware sind auch die Stopper. Die getestete Zett verfügte über ABS. Dabei fiel mir auf, dass die Bremserei auch an der Nicht-Blockiergrenze extrem knackig ist. Tät ich daher nur mit ABS ordern.

Das bringt zwar vier Kilo mehr auf die Waage, aber wenn ich die fünf Kilo, die ich zuviel habe, endlich abnehmen würde, warat ich mit der ABS immer noch um ein Kilo leichter als mit der Zett mit der konventionellen Bremserei. (Und wenn du endlich gscheit fahren lernerst, müsstest nicht mehr täglich Jausen für die Kollegen holen. Beides ist wie wahrscheinlich? Eben… mfgux ;-)

Das Fazit ist einfach: Unter den japanischen 1000ern ist die Zett sicher der nackte Wahnsinn. Edles Styling, endlose Kraft und Emotionen ohne Ende. Und auch wenn es untypisch ist sowohl für Nakeds, die ja schwarz sein müssen, als auch für die Kawasakis, die für Puristen grün sein müssen, ich will eine orange Zett – nur für den Fall, dass mich Weihnachten jemand überraschen will. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, Fotolocation: ÖAMTC Teesdorf, derStandard.at, 25.10.2007)

Guido Gluschitsch ist Redakteur beim Motorradmagazin

Kawasaki Z1000
Preis: EUR 11.999,-
ABS: EUR 800,-

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 16V, Katalysator. Hubraum 953 cm³, Leistung 92 kW/125 PS bei 10.000/min, 99 Nm bei 8200/min. E-Starter. Antrieb: 6-Gang, Kette. Fahrwerk: 41 mm Upside Down Gabel vorne, Bottom Link Uni-Trak hinten. Bremsen: Doppelscheibe vorne, eine Scheibe hinten. Trockengewicht: 209 kg, Sitzhöhe: 820 mm, Tank 18,5 l.

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Kawasaki

  • Vier-in-zwei-in-eins-in-jabistdenndu! Genau: Die Kawasaki Z1000.
    foto: sulzbacher

    Vier-in-zwei-in-eins-in-jabistdenndu! Genau: Die Kawasaki Z1000.

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