"the war on drugs": Ein Kampf, der immer weitergeht

6. November 2007, 20:25
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Polit-Dokumentation: "the war on drugs"

Wien – Aus dem Fernseher klingt das Lied eines fröhlichen Mariachi: "Zu Mittag hab’ ich Crack, danach Heroin und zum Nachtisch Basuco, Marihuana oder Kokain. Bedient euch ohne Angst, es kommt alles aus meiner eigenen Küche."

Offenkundig handelt es sich hier um ein Stück zeitgenössischer lateinamerikanischer Folklore. Und dieses taucht nun wiederum im Kino auf: als Teil einer schön verdichteten Montage ähnlicher Darbietungen, die eine Ahnung davon geben, wie es um die Verwurzelung der Thematik in der Populärkultur bestellt ist. Und die man auch als Hinweis darauf verstehen kann, wie aussichtslos es um eine Antidrogenpolitik steht, die sich auf die Bekämpfung von Symptomen reduziert.

the war on drugs heißt der österreichische Dokumentarfilm, den das Team von parallel universe (info war, 2004), nun regulär im Kino vorstellt. Und es geht darin um jenen „Krieg“ gegen Produktion, Vertrieb und Konsum von illegalen Rauschmitteln, den die USA schon seit Jahrzehnten an diversen Fronten führen.

Ein wichtiger Schauplatz dabei ist Kolumbien. Als letzte einer Reihe von Maßnahmen wird dort nun seit 2000 der "Plan Colombia" verfolgt – dabei bekämpfen US-Söldner den Anbau der Kokapflanzen mittels Pestizidflugzeugen aus der Luft. Eine Vorgehensweise, die – so der Film – trotz gegenteiliger Beteuerungen der Verantwortlichen letztlich nur den Kokaanbau fördert. Und zwar unter anderem, weil sich Koka im Unterschied zu anderen Nutzpflanzen am schnellsten wieder erholt.

Schon hier kommen unterschiedlichste Gesprächspartner zu Wort – vom Kokabauern bis zum kolumbianischen Vizepräsidenten, vom kritischen Journalisten bis zum Kartellmitglied. Nichtsdestotrotz macht the war on drugs kein Hehl aus seiner Parteilichkeit.

Problematisch ist auch eher, dass er seine anfängliche Fokussierung zunehmend aufgibt – und in den weitreichenden Zusammenhängen (die bis zur US-Kriminalstatistik, der Gefängnisindustrie etc. führen) bleibt schließlich auch ein wenig seine eigene Argumentationslogik auf der Strecke. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2007)

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