Bier-Weltmeisterschaften

15. Oktober 2007, 16:30
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Brauereien rühmen sich gerne, das allerbeste Bier zu machen. Und schmücken sich und ihr Produkt mit Goldmedaillen. Davon gibt es ziemlich viele – wie soll sich der Konsument da auskennen?

Im Sommer hatte ich das Vergnügen, den Starkenberger Biermythos, eine Bierausstellung im Schloss Starkenberg in der Nähe von Imst, zu besuchen und dann ein Starkenberger Bier zum Bier der Woche zu machen. Was mir besonders aufgefallen ist, war die große Zahl von Auszeichnungen, die die Brauerei stolz präsentiert hat. Rund 30 Medaillen von der Monde Selection, das müssen einem erst einmal andere nachmachen!

Das Problem ist: Das können andere auch ganz gut nachmachen, denn bei diesem Wettbewerb werden so viele Goldmedaillen vergeben wie die Jury sie eben zuzuerkennen bereit ist. Und die Jury kann da ruhig großzügig sein: Schließlich kommen Brauereien aus der ganzen Welt auf die gleiche Idee, dass man sein Bier (gegen Gebühr, versteht sich) zur Beurteilung einreichen kann – und wenn es technisch und geschmacklich entspricht, wird es mit einer Medaille belohnt. Nun ist heutzutage klar, dass die Brauereien ohnehin nur solche Biere einreichen, die nach den eigenen Analysen absolut fehlerfrei sind. In früheren Jahrzehnten, als die Laborausstattung der Brauereien noch schlechter war, dürften Prüfungen wie jene durch die Monde Selection (oder die deutsche DLG, die als besonders streng gilt) tatsächlich noch eine hohe Aussagekraft gehabt haben, weil eben die Mehrzahl der Biere nicht entsprochen hat – aber die technische Qualität der Brauereien und der von ihnen gebrauten Biere ist eben stark angestiegen, auch bei strenger Prüfung werden viele Medaillen fertig.

Das ist erfreulich für die Brauereien und berechtigt die Braumeister zu gewissem Stolz – so auch Helmut Sawall von der Brauerei Schloss Starkenberg, der mir dieser Tage einen langen Brief geschrieben hat, indem er die Monde Selection verteidigt hat: „Bei der von Ihnen kritisierten Monde Selection wird genau wie bei der DLG-Prüfung ebenfalls eine sensorische Prüfung durchgeführt. Hier werden aber zusätzlich noch Bieranalysen durchgeführt und bei der Monde Selection werden sogar die wichtigsten sensorischen Kriterien noch mittels GC-Analyse überprüft. Bekanntlich gibt es für alle Qualitätskriterien Punkte und bei Erreichen bestimmter Punktezahlen eine Medaille. So miteinander verglichen, erscheint mir die Monde Selection doch die objektivere Kontrollinstanz zu sein.“ Soweit es um Kontrolle geht, hat Braumeister Sawall natürlich recht. Es geht aber um etwas anderes: Nämlich um eine für den Konsumenten nachvollziehbare Aussage, welches Bier denn nun wirklich das Beste ist. Man kennt das vom Sport: Alle, die bei einem Formel 1 Rennen oder beim Schi-Weltcup mitfahren, gehören zu den allerbesten ihrer Kategorie. Aber einer oder eine ist eben so gut, dass es für einen Sieg reicht. Oder einen zweiten, dritten, zehnten Platz. Das Publikum will Sieger sehen – und wenn jeder, der zum Antreten bei einem Rennen qualifiziert ist, automatisch mit einer Goldmedaille ausgezeichnet würde, brauchte man die Wettbewerbe erst gar nicht zu veranstalten.

Deshalb gibt es seit langer Zeit auch beim Bier Wettbewerbe, aus denen eindeutige Sieger hervorgehen. Und nicht zufällig stammen diese Wettbewerbe aus dem sportlich orientierten anglo-amerikanischen Kulturkreis. Die Brewing Industry International Awards (deren Kategoriebildung allerdings den englischen Marktgegebenheiten entspricht) aus England, der NZ Beer Award aus Neuseeland und der World Beer Cup aus den USA – mit einem stark am amerikanischen Vorbild orientierten europäischen Ableger, dem European Beer Star. Allen diesen Wettbewerben ist gemeinsam, dass eine Jury aus geschulten Verkostern ausschließlich die sensorischen Qualitäten der eingereichten Biere vergleicht – also genau das, was sich dem Konsumenten ebenfalls optisch, geruchlich und geschmacklich erschließen kann, wenn er bewusst kostet. Und da gibt es dann eindeutige Sieger. Je genauer die Kategorien eingeteilt sind – bei Pilsnern kann man etwa die böhmische, die (nord)deutsche und die internationale Interpretation des Stils in verschiedene Gruppen geben – desto treffsicherer sind die Ergebnisse: Der World Beer Cup vergibt etwa je eine goldene, silberne und bronzene Anerkennung in mehr als 80 Klassen, was genaue Zuordnung ermöglicht und den angenehmen Nebeneffekt hat, dass auf diese Weise ebenfalls eine breite Streuung von Medaillen möglich wird. Davon profitieren jene Brauereien besonders, die eine besonders breite Vielfalt an Bierstilen anbieten – was einen zusätzlichen Vorteil für die Konsumenten darstellt, weil sie nicht nur eindeutig erfahren, welches Bier nun wirklich das beste seiner Klasse war, sondern weil sie auch ein insgesamt breiteres Angebot bekommen.

Bleibt ein Argument der Kritiker an diesen echten Wettbewerben – Helmut Sawall hat es so formuliert: „Hier habe ich Zweifel, ob selbst ein gut geschultes Kosterpanel mehr als fünf Biere hintereinander verkosten kann, bzw. die vielen Biere einer Kategorie noch in einer Rangliste einordnen kann.“ Oh, ja – das kann man; in manchen Kategorien mit starken Unterschieden (Weizenbiere, Stouts und Barley Wines sind jeweils besonders vielfältig) allerdings leichter als im Mainstream des hellen Lagers. (Bierpapst Conrad Seidl)

  • Auszeichnungen erfüllen Braumeister mit stolz.
    foto: www.starkenberg.at

    Auszeichnungen erfüllen Braumeister mit stolz.

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