Jedem sein Teil

7. Oktober 2007, 12:00
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Aber erst, wenn Sie Spaten und Schaufel unterscheiden können, sagt Ute Woltron

Eine Umfrage unter der liebenswerten, gleichwohl kaffeehausverwöhnten Truppe, deren Lebensinhalt die tägliche Herstellung Ihrer rosa Lieblingszeitung ist, beförderte eine peinliche, offensichtlich weit verbreitete Wissenslücke zutage. Wir reichen diese Frage hier an Sie weiter: Womit würden Sie etwas, und sei es das Nichts einer Lücke, zutage befördern? Mit der Schaufel? Oder mit dem Spaten?

Wie bitte? Na gut, Sie gehören also auch zur Banausenschaft. Zeit für einen Geräte-Grundkurs:

Der hier abgebildete Gegenstand ist ein Spaten, und mit dem kann man zum Beispiel nicht schaufeln. Dafür kann man mit ihm Löcher herstellen. Das geht - für die, die's offenbar noch nie gemacht haben - so: Man packt den Quergriff mit beiden Händen, setzt den Spaten exakt auf dem Boden auf - im Idealfall weder über der Wasserleitung noch über einer Ihrer illegal verlegten Garten-Stromleitungen, von denen Sie sowieso nicht mehr genau wissen, wo sie sind, stimmt's? -, federt dynamisch mit dem Sprungbein ab und kracht mit größtmöglicher Wucht mit beiden Füßen links und rechts des Stiels von oben kommend auf dem Metallteil auf. Festes Schuhwerk dringend empfohlen.

Ziel: Erdmittelpunkt

Das ideelle Ziel der Reise des Spatens ist der Erdmittelpunkt, die Annäherung erfolgt je nach Bodenbeschaffenheit, und an dieser Stelle muss vor der Macht gärtnerischer Gewohnheit gewarnt werden. Denn es kam schon vor, dass Leute, die die harte Krume des Steinfeldes zu bewirtschaften pflegen, im weichen Schwemmland bei Freunden und beim Versuch ein Löchlein wie gewohnt spatenspringend zu ergraben, bis zur Mittelwade in der schwarzen Scholle staken.

Das sind Momente innerer Kontemplation: Warum wird nicht mir - dem leidenschaftlichen Maulwurf - die Gnade eines solchen Bodens zuteil, sondern diesen reizenden Gelegenheitswühlern hier? Warum mussten meine Urahnen ausgerechnet einen Felsblock urbar machen? Wie kann ich, nach dieser bittersüßen Grabeerfahrung, je wieder meinen eigenen Betonboden eines Loches würdigen?

Letzteres lässt sich ohnehin nur mithilfe eines Krampens bewerkstelligen. Der, mit beiden Händen gepackt, kräftig in einer Art sehr flachem Achter über die Schulter geschwungen und auf die Erde gedroschen, dringt auch in Steinfeldböden ein. Das gelockerte Geröll kann sodann - richtig! - weggeschaufelt werden. Was man dafür benötigt, werden wir wohl nicht hinschreiben müssen. Nur so viel: Schaufeln sind in verschiedensten Ausführungen und Sorten zu haben. Die ist die richtige, die gut in Ihrer Hand liegt, nicht zu schwer und nicht zu leicht und aus dem besten Material gemacht ist.

Sollten Sie weiblichen Geschlechts sein: Schrecken Sie keinesfalls vor den kleineren, für weniger Kräftige besser geeigneten, mitunter "Damenausführung" genannten Gerätevarianten zurück. Im Gegensatz zu den verachtenswerten Puppi-Produkten der Autoindustrie - wer hat überhaupt den Blödianbegriff "Damenauto" zu verantworten? - gibt es hier einen Grund für Reduktion. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/05/10/2007)

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    Ein Geräte-Grundkurs: Das hier ist ein Spaten.

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