Kopf des Tages: Die Methode des kleinen Schneiders

27. September 2007, 19:22
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Vom Änderungsschneider nahtlos zum Society-Designer: Nhut La Hong

Ulla Weigerstorfer, platzt eine Mitarbeiterin herein, habe gerade angerufen: Die ehemalige Miss World wolle wissen, wann sie wo sein solle. Und, setzt die Mitarbeiterin fort, da gäbe es noch etwas: Die Bodypainter bräuchten nämlich dringend einen Raum.

Normalerweise ist es schwierig, das Lächeln aus Nhut La Hongs Gesicht zu wischen. Aber bei "Bodypainter" verfinstert sich die Miene des aus Vietnam stammenden Modemachers: "Bodypainting ist verboten! Die Farbe krieg ich aus den Stoffen nie raus!"

Doch in der nächsten Sekunde ist der Designer dann wieder genau so, wie Seitenblickeland ihn kennt: lustig, quirrlig, dauerlächelnd und so umgänglich-freundlich, dass es beinahe weh tut. Und dass man sich schämt, zuzugeben, wieso man hier ist. Nämlich wegen der Frage, ob La Hong nicht doch nur eine Society-Figur ist, die so lange behauptet hat, Designer zu sein, bis man es ihm glaubte: Die Gazetten nennen ihn ja "Promi-Schneider" und "Stardesigner" - doch jenseits der Gesellschaftsecken kennt ihn niemand. Diese Frage lässt sich kaum so stellen, dass sie nicht unhöflich rüberkommt. Erst recht nicht, wenn der Gefragte gerade einen schmucken 150 Quadratmeter großen Verkaufssalon in allerfeinster Wiener Citylage eröffnet (und Frau Weigerstorfer als Model "läuft").

Aber der in Saigon aufgewachsene Enddreißiger bleibt freundlich. Erstens, weil der 1981 als Flüchtling nach Vorarlberg gekommene Sohn eines Zahnarztes und einer Schneiderin ("Mein Vater meinte, Handarbeiten ist nichts für einen Mann - ich sollte Zahnarzt werden") in den vier Jahren, seit denen er Wiens Vip-Szene beglückt, gelernt hat, mit Asia-Klischees gekonnt zu spielen. Zweitens weil er froh ist, "dass einmal jemand direkt fragt".

Die "Methode La Hong", erklärt La Hong freimütig, stehe und falle schließlich mit den Seitenblicken: Nach Modeschule und Meisterprüfung in Wien verdingte er sich als Änderungsschneider für Wiener Nobelboutiquen: "Ich habe für Chegini und Prada gearbeitet." Dort kauft, wer reich ist und schön sein will. So kam La Hong binnen kürzester Zeit zu einer Adress- und Maßedatei, die in Gold kaum aufzuwiegen ist. Und als der Mann, der in seinem Leben mit oder bei keinem einzigen namhaften Designer arbeitete, sich dann selbstständig machte, kannte man ihn: nett, schnell, verlässlich, umgänglich, einfallsreich. Und anders. Nicht bloß ob der Herkunft: "Ich schaue mir alle Magazine und Schauen an. Nicht um zu kopieren - um auszuweichen. Sonst fällt man ja nicht auf."

Und nur darum, schließt La Hong den Bogen zu den Seitenblicken, gehe es: "Ich bin nicht so der Ausgeh-Typ. Aber wenn dein Name dort, wo alle hinschauen, ständig vorkommt, fällt er den Leuten ein, wenn sie etwas zum Anziehen suchen. So einfach ist das." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 27. September 2007)

  • Nhut La Hong, seit Mittwoch Abend neuer Salon-Inhaber in der Kärntner Straße
    foto: standard/rottenberg

    Nhut La Hong, seit Mittwoch Abend neuer Salon-Inhaber in der Kärntner Straße

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