Die Karibikgeschäfte: "Ein Wahnsinn"

21. September 2007, 16:29
22 Postings

Eine schillernde Zeugin und eine Insiderin sagen aus: Die ehemalige interne Revisorin stellte schon 1996 fest, dass den Karibikgeschäften alle Sicherheiten fehlten

Wien – Die sonst sehr kritische ÖGB-Pensionistin, die den Bawag-Prozess täglich beobachtet, hatte am Donnerstag ihre helle Freude. "Sie ist eine Lady, eine wirkliche Lady", himmelte sie die erste Zeugin des 30. Prozesstages an. Gemeint war Barbara Anne Eisenhower, die Frau von Ex-Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Ihre Aussage war auf Vorschlag Flöttls zustande gekommen, der Inhalt verwunderte denn auch wenig. Die gertenschlanke, großgewachsene 59-Jährige beschrieb, was sie ab 1995 mit ihrem Mann und dem Ehepaar Elsner und rund um die Karibik-Verluste erlebt hatte. Elsners hatte man ein-, zweimal im Jahr getroffen, ab und zu gemeinsam geurlaubt; meist auf Flöttls Anwesen in Bermuda.

Kein Einblick in Geschäfte

Die Enkelin von US-Präsident Dwight D. Eisenhower betonte, keinen Einblick in die Geschäfte ihres Mannes gehabt zu haben, ebenso wenig wusste sie, wann ihm welche Immobilien gehörten. Bis auf eine Ausnahme: Er hielt einen Anteil an der gemeinsamen Wohnung in New York. Dass Flöttl, mit dem sie brutto seit 1988 verheiratet ist (einmal war man kurz von einander geschieden), im Oktober 1998 einen Verlust für die Bawag gemacht hatte, habe er ihr erzählt. Dass er der Bank einen großen Teil seines Vermögens überschrieben hat, ging an Eisenhower ebenfalls nicht spurlos vorbei, "er hat mich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr finanziell unterstützt", sei unter Druck von Elsner gestanden. Warum man dann den Jahrtausendwechsel mit Elsners gefeiert habe? "Das war zwei Jahre später, da war wieder alles okay." Ein kurzer Side-Step in die Welt des Jetset war erlaubt: Wie man denn so viele Häuser in New York, der Karibik und London gleichzeitig bewohnen könne, fragte die Richterin, um vom Ehepaar zu erfahren: "Wir haben im Flugzeug gelebt, es war aufreibend" (sie); "Sie haben völlig Recht, es war furchtbar beschwerlich." (er).

Familienbusiness läuft besser

Während für die Bawag alles Geld perdu war, läuft es beim Family-Business besser. Flöttl veranlangt auch Vermögen seiner Frau, und zwar ertragreich, erzählte Eisenhower. Erzählungen Elsners, Flöttl habe Selbstmordgedanken geäußert, kann dessen Frau übrigens nicht nachvollziehen: "Ich hatte nicht den Eindruck. Er ist ein Kämpfer." Dem stand sie vor Gericht insofern zur Seite, als sie ein wichtiges Telefonat mit Elsner im März 2006 bestätigte. Er habe damals gegen vier Uhr früh in New York angerufen, ohne zu grüßen ihren Mann verlangt, und der habe dann erzählt, Elsner wolle ihn bewegen, die Schuld für die (damals aufgekommenen) Verluste auf sich zu nehmen, weil ihn in New York niemand verfolgen würde. Eine Geschichte, die Elsner heftig bestreitet, diese Darstellung des Telefonats sei "grotesk und lächerlich. Ich habe ihm gesagt: Geh an die Öffentlichkeit und erzähl’, was war."

Meinls Turteltauben

Für Amüsement sorgte Eisenhower mit einem Apercu zur langjährigen und engen Freundschaft ihres Mannes mit Julius Meinl. Beim berühmten gemeinsamen Yachtausflug mit dem Paar Grasser-Swarovski, sei selbiges (damals frisch verlobt) eher separiert von den anderen gewesen, "bei den Mahlzeiten waren sie aber dabei".

Vergleichsweise ernsthaft dann die Vernehmung von Zeugin Eva Albrecht, Ex-Mitarbeiterin der Internen Revision der Bank. Sie wurde zur Kontrolle der Sondergeschäfte befragt (1996 bis 1998; dann war Schluss damit; die Geschäfte seien laut Vorstand "beendet" gewesen). Der Sukkus ihrer Aussage lässt sich mit folgenden Zitaten ausdrücken: "Wir wussten nicht, welche Art von Sicherheiten den Geschäften zugrunde lag. Wir konnten das Risiko nicht bewerten, nach meiner Ansicht hat der Vorstand das Risiko blanko gegeben." Was sie sich dabei gedacht habe? "Ein Wahnsinn." Eine Risikoeinschätzung, die damals auch Nakowitz geteilt habe, wovon der aber nichts wissen will. Albrechts damaliges Bild über ihre Chefs: "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass sie nicht gewusst haben, was sie tun. Wenn Sie Obligo blanko geben wollte, dann war das ihre Entscheidung." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.9.2007)

  • Artikelbild
    gerichtszeichnung: oliver schopf
Share if you care.