"trend": Eleganz für den "Zuchtbullen"

26. September 2007, 15:05
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Die "News"-Gruppe gibt sich nobler: "First" startet, der "trend" gibt sich eine neue Optik - Herausgeber Christian Rainer im Interview

Die "News"-Gruppe gibt sich nobler: Das Societymagazin "First" startet, der "trend" gibt sich eine neue, elegantere Optik. Sein Herausgeber Christian Rainer über Erfolg der Monatstitel, Cojones und "Krone". Harald Fidler fragte.

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STANDARD: Das Internet bringt die schnelle Information, Tageszeitungen verlegen sich auf Hintergrund und Analyse, Wochentitel versuchen sich als Wissensmagazine - was wollen Sie da noch mit einem Monatsmagazin?

Rainer: So etwas kann nur ein Tageszeitungsredakteur mit angeschlossenem Internet-Auftritt fragen. Das erfolgreiche Modell für Wirtschaftspublkationen schlechthin ist das Monatsmagazin. "managermagazin" in Deutschland, "Capital" in Frankreich und Italien, "trend" in Österreich. Die Formel ist so erfolgreich, dass "Conde" Nast in den USA eben unter lautem Getöse das monatliche "Portfolio" auf den Markt bringt.

STANDARD: Der "trend" wird mit dem Relaunch am 24. September eleganter, ruhiger, zugleich weiter personalisiert, während ihr größter Mitbewerber, der "Gewinn" recht erfolgreich auf Tipp- und Servicejournalismus setzt. Wird der "trend" damit nicht schmäler, elitärer und überlässt die Breite der Konkurrenz?

Rainer: Der "trend" vermied klug, sich beim Börsenhype um die Jahrtausendwende zu einem Servicemagazin downzugraden. Die Reichweite des "trend" – soweit mir bekannt, nur von einem finnischen Wochenwirtschaftstitel übertroffen – basiert auf dem über vier Jahrzehnten gepflegten Rhythmus von eleganter Personalisierung und seriöser Beratung. Wir investierten in "Line Extensions", als andere Verlage das noch für einen Fachterminus aus dem Drogenbericht des Innenministeriums hielten. Wir schrieben über Luxus, als dies noch der "Vogue" vorbehalten war. So erreicht man die Eliten des Landes und einige hunderttausend Österreicher mehr.

STANDARD: Der "trend" war eine Cashcow des Verlags, wird dem Ruf aber nach unseren Informationen inzwischen nicht mehr ganz so gerecht. Müssen wir uns sorgen?

Rainer: Cashcow? Ihre Sorgen möchten wir haben. Der "trend" zählt in jedem Jahr zu den Leitstieren des Verlages. Das gilt für unsere Cojones im Journalismus, wie auch für den Wert des Zuchtbullen.

STANDARD: Sie haben inzwischen das zehnjährige Jubiläum als "trend"-Herausgeber hinter sich, auch "profil" führen Sie schon eine ganze Weile: Wollen Sie in dem Job in Pension gehen?

Rainer: Ein Elder Statesman mit 45? Tatsächlich bin ich in die Rolle des dienstältesten Chefredakteurs unter den größeren Medien des Landes hineingealtert. Aber ich habe gerade ein Zwischenhoch. Oder meinen Sie, meine unbändige Lust am Neuerfinden des "trend" ist ein Symptom der Midlifecrisis? Und übrigens, wie halten Sie, Herr Fidler, es mit der Seniorität im 13. Jahr als STANDARD-Medienredakteur?

STANDARD: Wie wäre es zur Abwechslung mit der Chefredaktion der "Kronen Zeitung"?

Rainer: Für Sie oder für mich? Es ist stets ehrenvoll oder zumindest schmeichelnd als einziger Kandidat von außen für die relativ größte Tageszeitung der Welt gehandelt zu werden. Aber diese Job-Option überlasse ich ganz Ihnen. Ich bin glücklich, wo ich bin. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 20.9. 2007)

  • "Cojones": Christian Rainer (45), "trend"-Entwurf.
    foto: trend/rené prohaska

    "Cojones": Christian Rainer (45), "trend"-Entwurf.

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